Weihnachten – ein Fest voller Rätsel.

Mit Weihnachten kennt sich jeder aus – oder?

In der Oktav vor Weihnachten pflegen die Berchtesgadener Weihnachtsschützen ihr altes Brauchtum, indem sie um 15:00 Uhr während die Kirchenglocken läuten das Christkind anschießen.

Wir wollen in dieser Zeit Ihr Wissen über das Weihnachtsfest testen. Keine Angst, es sind keine kniffligen Fragen, wovon Sie sich nachfolgend überzeugen können. Nachdenken muss man schon ein wenig. 

Hier die acht Fragen zu Weihnachten:

  1. Weshalb feiern wir Weihnachten?
  2. Woher kommt das Wort Weihnachten?
  3. In welchen Ländern ist Weihnachten verboten?
  4. Warum bekommen wir Geschenke?
  5. Warum hat Luther das Christkind erfunden?
  6. Welches ist das beliebteste Weihnachtlied?
  7. Wie lange dauert Weihnachten?
  8. Warum stellen wir Christbäume auf?

Wir werden die Rätselfragen beginnend am 17. Dezember 2019 mit Text und Bild beantworten und Sie können erfahren, was Sie schon alles über Weihnachten wissen.

Es gibt zwar keine Preise, a ber die Freude auf das Weihnachtsfest lässt sich steigern.

Zur Einstimmung ein Bild des italienischen Malers Duccio di Buonsegna, das um 1300 entstanden ist.

Weihnachten – ein Fest voller Rätsel

Am 17.Dezember 2019: Warum feiern wir Weihnachten?

Auf unserer Erde leben rund zwei Milliarden Christen, die jedes Jahr neben Ostern und Pfingsten vor allem Weihnachten als das erste Hochfest des Kirchenjahres feiern. Seit dem Jahr 336 ist dieses Fest am 25. Dezember nachgewiesen. Es wird auch Christfest oder Heiliger Christ genannt. Es erinnert an die Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem vor über 2000 Jahren. Weil Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, feiern wir Weihnachten.

Das Bild zeigt die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem; orientalische Krippe aus der Stiftskirche Berchtesgaden.

Am 18. Dezember 2019:  Woher kommt das Wort Weihnachten?

Das Wort Weihnachten bedeutet eigentlich die „geweihte Nacht“. Es kommt in der Bibel nicht vor. Der früheste Beleg hierfür findet sich in der Predigtsammlung Speculum Eccelsiae, die um 1150 entstanden ist.

In dieser Handschrift „Spiegel der Kirche“ steht  in Althochdeutsch geschrieben: „diu gnade diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wihe naht“

Das bedeutet in unser heutiges Deutsch übertragen: „Die Gnade kam zu uns in dieser Naht: deshalb heißt sie nun Weihnacht.“

Das erste Wortglied „wih = weih“ wird aus dem Germanischen abgeleitet und bedeutet „heilig“. Also kann man „wihe naht“ auch mit heilige Nacht übersetzen.

Minnesänger haben im 12. und 13. Jahrhundert zur Verbreitung des Wortes „wihe naht“ beigetragen und den Weihnachtsbegriff in seinem eigentlichen religiösen Sinne verwendet, als das Fest der Geburt des Heilands und als ein Moment der Hoffnung und Rettung durch einen mächtigen Erlöser.

Zu den beiden Bildern aus der Bayer. Staatsbibliothek.

Bild 1 zeigt die erste Seite des Speculum Ecclesiae.

Auf Bild 2 ist „wihe naht“ in der Zeile 6  nachzulesen.

Am 19. Dezember 2019:  In welchen Ländern ist Weihnachten verboten?

Es mag verwundern, dass in einer vermeintlich aufgeklärten und global vernetzten Welt das Weihnachtsfest verboten ist. Hier vier Beispiele.

Im Sultanat Brunei verbot die Regierung sämtlichen Weihnachtsschmuck  sowie das Singen von Weihnachtsliedern, weil das Weihnachtsfest den muslimischen Glauben gefährde. Bei Verstößen drohen drastische Strafen: bis zu 20.000 Dollar Geldstrafe und bis zu fünf Jahren Gefängnis.

In Nordkorea werden die Christen als „Gefährdung der Gesellschaft“ verfolgt. Öffentliche Religionsausübung ist bei Strafe verboten; das Feiern des Weihnachtsfest fällt unter dieses Verbot.

In Somalia wurde im Dezember 2015 das Weihnachtsfest mit der Begründung verboten, es handle sich um ein muslimisches Land, das „null Toleranz“ gegenüber nicht-islamischen Testen und Gebräuchen habe.

In Tadschikistan verbot die Regierung verbot Weihnachtsbäume, Feuerwerk, Festessen und Bescherung an Heiligabend.

Das sind die Flaggen der vorgenannten Staaten.

Am 20. Dezember 2019:  Warum bekommen wir Geschenke?

Weihnachten ohne Geschenke unvorstellbar. Die Werbeindustrie sorgt schon Monate vor dem Fest, dass wir ja das Richtige finden, d. h. kaufen oder selber basteln. Doch auch das Schenken hat einen christlichen Hintergrund: Jesus war das Geschenk Gottes an die Menschen und schon die Hirten brachten dem Gotteskind Geschenke. Die Weisen aus dem Morgenland, nach unserer Tradition die Heiligen Drei Könige, kamen auch nicht mit leeren Händen zum Stall von Bethlehem; sondern sie schenkten Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In Anlehnung daran beschenken wir uns an Heiligabend. In anderen Ländern erfolgt die Bescherung erst am Weihnachtsmorgen. Allerdings war Weihnachten in vielen Ländern Europas lange kein Fest des Schenkens. Die Geschenke brachte der Nikolaus. In Südeuropa und in orthodoxen Ländern müssen Kindern und Erwachsene länger warten. Denn dort gibt es die Geschenke erst am Dreikönigstag. In Italien beispielsweise bringt gute Befana, eine gutmütige Hexe, die Geschenke am 6. Januar. 

Am 21. Dezember 2019:  Warum hat Martin Luther das Christkind erfunden?

Die Beantwortung dieser Frage schließt sich direkt an den Text vom Vortag an. Es geht nochmals ums Schenken und zwar um den Geschenkebringer. Das ist durchaus komplizierter als man denkt.

Obwohl in der biblischen Krippe im Stall von Bethlehem ein Bub lag, wird das Christkind von einem Mädchen mit weißem Gewand und Flügeln dargestellt. Dies hat weniger mit dem neugeborenen Jesuskind zu tun als mit der Vorstellung von Engeln. Auch bei den vielfältigen bildlichen Darstellungen treffen wir auf diese engelsgleiche Erscheinung.

Heute hält das Christkind vor allem in katholischen Gegenden Einzug und übernimmt die Bescherung am Heiligen Abend, wobei der Protestant Martin Luther diesen Brauch einführte.

Als Protestant und Gegner der Heiligenverehrung suchte Martin Luther nach einer Alternative zum Heiligen Nikolaus, dem ursprünglichen ursprünglichen Gabenbringer. Schon zum Weihnachtsfest 1536 schwenkte er zur biblischen Quelle. Luther ersetzte den Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ selbst, der die Gaben bringen sollte und verlegte die Bescherung auf Weihnachten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Begriff Christkind als Gabenbringer.

Zu den Bildern:

Das Christkind vom Hochaltar der Stiftskirche und ein liebliches Christkind aus der Werbung

Am 22. Dezember 2019:  Welches ist das beliebteste Weihnachtslied?

Da gibt es drei Favoriten nämlich: „Fröhliche Weihnacht überall“, dann „Leise rieselt der Schnee“, doch Spitzenreiter ist eindeutig „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Joseph Mohr, Hilfspfarrer in Oberndorf bei Laufen, schrieb 1816 die bekannten Verse und bat den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber um eine Vertonung. Die Komposition erfolgte zwei Jahre später im Jahr 1818. Joseph Mohr wirkte bei der Uraufführung im selben Jahr als Sänger mit; und er begleitete sich auf der Gitarre, damals ein höfisches Instrument, das die einfache Landbevölkerung nicht kannte, sondern einem alten Kirchenbericht zufolge zunächst für eine Art Insektenfalle hielt.

Die einfache, aber eingängige Melodie des Liedes verbreitete sich relativ schnell um Alpenraum. Von dort nahm es seinen Weg zunächst über Europa und Amerika in die gesamte Welt. In dieser Zeit ist der deutsche Liedtext weltweit in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt und gesungen worden. Von den ursprünglich sechs Strophen werden in der allgemein bekannten Fassung nur die erste, zweite und letzte Strophe gesungen. 2011 wurde Stille Nacht, heilige Nacht von der UNESCO auf Antrag als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Joseph Mohr (1792 – 1848) war übrigens im Sommer 1815 für einige Zeit auch als Aushilfspriester in der Ramsau tätig.

Zu den Bildern: Portrait von Joseph Mohr aus der Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf und der Liedtext in Esperanto

Am 23. Dezember 2019:  Wie lange dauert Weihnachten?

Diese Frage ist eigentlich leicht zu beantworten, wenn man es genau nimmt: Weihnachten ist am 25. Dezember. Am Vortag, also am Heiligen Abend, gibt es im Grunde genommen nichts zu feiern. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich allerdings immer mehr Bräuche eingebürgert – möglicherweise auch, damit es die Menschen bis zum Beginn der Christmette um Mitternacht durchhalten; denn da beginnt die christliche Weihnachtszeit. Gefolgt vom zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Stefanitag. Gefühlt ist für manche Leute dann Weihnachten schon zu ende: Werbung für das Silvesterfeuerwerk und Fasching kündigt sich auch schon an.

Doch es folgen weitere wichtige Tage zur Jahreswende wie das Fest der Beschneidung des Herrn am 1. Januar und der Heilig-Dreikönigstag am 6. Januar, einem wichtigen Feiertag im Kirchenjahr mit viel eigenständigem Brauchtum:

CMB – Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus.

Offiziell dauert die Weihnachtszeit seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ( 1965) bis zum ersten Sonntag nach dem Dreikönigstag, und das ist diesmal der 12. Januar 2020.

Zum Bild: Anbetung der Drei Könige, Rogier van der Weyden (um1400 – 1464), vom Dreikönigsaltar in Köln.

Da drängen sich  die Hauptgestalten neben Bediensteten und anderem Volk um die heilige Familie. Ganz rechts, der junge, prächtig gekleidete König, hat ehrfurchtsvoll seinen Hut gezogen. Damit will er sagen: „ Ave Maria – Gegrüßet seist Du Maria“. Entscheidende Botschaft dieses Bildes ist, dass die Starken, die Reichen und Mächtigen freiwillig vor dem schwachen und armen Kind in die Knie gehen.

Am 24. Dezember 2019:  Warum stellen wir Christbäume auf?

Die Tradition des Baumschmückens, der dekorierten Bäume stammt aus vorchristlicher Zeit. Wir wissen, dass in vielen unterschiedlichen Kulturen immergrüne Pflanzen Lebenskraft verkörpern und die Menschen früherer Zeiten glaubten, sich Gesundheit ins Haus zu holen, wenn sie ihr Heim zur Zeit der Wintersonnenwende mit Grün schmückten. Grün im Winter sollte Hoffnung fürs neue Jahr geben.

Für die Christen nimmt der geschmückte Christbaum Bezug auf den Baum der Erkenntnis im Paradies. Theologisch gedeutet verkörpern die bunten Christbaumkugeln die Früchte des Paradiesbaumes. Sterne und glitzernder Schmuck  sollen daran erinnern, dass Gottes himmlische Herrlichkeit mit der Geburt Jesu auf die Erde kam. Regional gab es individuellen Christbaumschmuck. Der erste christlich motivierte Christbaum ist im Elsass zu Beginn des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Er verbreitete sich von dort aus vor allem in evangelischen Gebieten. Es dauerte lange bis der Christbaum auch bei uns heimisch wurde. Denn die überwiegend katholischen Berchtesgadener beäugten den Christbaum misstrauisch als „protestantisches Zeug“.

1912 stellte der Berchtesgadener Kunstmaler Anton Reinbold erstmals einen Christbaum auf,  der mit den traditionellen Produkten der Berchtesgadener Handwerkskunst, der Berchtesgadener War bunt und eindrucksvoll geschmückt war. Dies  war der Beginn einer neuen Art, weihnachtliche Freude auszudrücken. Der sog. Berchtesgadener Christbaum ist inzwischen lebendiges Brauchtum in den Wohnungen und in den Kirchen geworden. Christbäume im Lichterglanz sind heute von öffentlichen Plätzen nicht mehr wegzudenken.

Zum Bild: Ein Berchtesgadener Christbaum 

 

 

Weihnachtsrätsel 2019

Zum Abschluss und Ausblick: Irischer Weihnachtsegen

Gott lasse dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.

Gott schenke die die nötige Ruhe, damit du dich auf Weihnachten und die frohe Botschaft einlassen kannst.

Gott nehme dir Sorgen und Angst und schenke dir neue Hoffnung.

Gott bereite dir den Raum, den du brauchst und an dem du so sein kannst, wie du bist.

Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen über das Wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.

Gott mache heil, was du zerbrochen hast und führe dich zur Versöhnung.

Gott gebe dir Entschlossenheit, Phantasie und Mut, damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.

Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht, wenn dunkle Tage kommen.

Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden.

Vielen herzlichen Dank fürs Mitmachen

Johannes Schöbinger

Eine Antwort auf „Weihnachten – ein Fest voller Rätsel.“

  1. Das Licht leuchtet in der Finsternis!
    Mit diesen Worten feiern wir den Geburtstag Jesu Christi.
    Möge sein Licht auch in uns geboren werden, heute und alle Tage unseres Lebens.
    Lieber Johannes ich danke Dir für deine Arbeit und wünsche Dir und deiner familie Frohe Weihnachten.
    Tragen wir das Licht des Herrn in unsere oft so dunkle Welt und verkünden wir die Frohe Botschaft all unseren Mitmenschen.

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