Monat: September 2016

Der Sonnengesang: „Die Freude der Schöpfung“

img_2629Liebe Holzknecht Kameraden.

Heute möchte ich Euch zu Predigt einige Strophen von Sonnengesang des hl. Franziskus näher bringen.
Im Sonnengesang gipfelt alles, was für unser eigenes Leben zu bewahren ist. Hier hören wir, wie sehr Franziskus seinem Gott verbunden ist. Er stellt uns die Schöpfung Gottes als „Schwester“ und „Bruder“ zur Seite.
Mit einem unendlichen Lob Gottes beginnt er sein Lied. Franziskus staunt, wir spüren es, ja wir dürfen uns selbst einmal zu einem solchen Staunen über die Schöpfung einladen lassen: Er bewundert Sonne, Mond und Sterne, sowie Wind, Wasser, Feuer und Erde.                                       img_2551

„Höchster, allmächtiger, guter Herr,
Dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen. Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen. „

Was Franziskus als Erstes über die Lippen kommt, ist die Anerkennung der Hoheit und Allmacht Gottes. Doch dieses Gotteslob erschlägt uns nicht, sondern reißt uns mit, zieht uns nach. Hier finden wir, was uns Menschen oftmals fehlt: Die Ehrfurcht vor Gott und seiner Schöpfung. Franziskus nimmt sich ganz zurück, er ist nicht wichtig, Gott ist es, auf den er uns aus der ganzen Schöpfung heraus Vers für Vers hinweist. Franziskus leiht der Schöpfung seine Stimme, um Gott durch sie und für sie Loben und Danken zu können.
Die irdische Elemente: Wind und Wasser gehören zusammen. Dem Wind folgt das Wasser, der Wind bewegt die Wellen des Meeres. „Demütig“ nennt Franziskus das Wasser, weil es immer nach unten drängt. Wasser dient dem Menschen selbstlos und anspruchslos. Es ist ein kostbares Gut, was auch uns modernen Menschen inzwischen ja durchaus bewusst ist. Wasser belebt, erfrischt und reinigt.
img_2556„Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern“.

Wir folgen einer Bewegung von oben nach unten. Selbstkritisch und nachdenklich kommt uns in den Sinn, wie wir mit der Erde, die uns als „Schwester“ und „Mutter“ vorgestellt wird, umgehen: Franz überrascht uns, in dem er die Erde nicht nur als „Mutter“, sondern ebenso als „Schwester“ bezeichnet. Das Gefühl der Abhängigkeit – wie ein Kind von seiner Mutter – wird durch das einer gewissen Nähe und Vertrautheit, wie sie unter Geschwistern üblich ist, ergänzt. Es bleibt spürbar, wie sehr wir Menschen in die ganze Schöpfung einbezogen sind und von ihr abhängig.img_2568
„Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; kein lebender Mensch kann ihr entrinnen.
Wehe jenen, die in tödlicher Sünde sterben.  Selig, die sie finden wird in deinem heiligsten Willen“.
Diese Letzte Strophe hat eine besondere Geschichte. Sie ist zuletzt entstanden, zwei Jahre vor seinem Tod und er hat diese Worte sehr bewusst geschrieben.
Tod ist Grund zur Klage, sogar Grund, Gott anzuklagen, vor allem dann, wenn zu früh, völlig überraschend oder mit viel Leiden verbunden daherkommt. Und es ist wichtig, dass wir den eigenen Tod nicht verdrängen. Wir müssen ihn annehmen lernen. Mein Leben hier ist ein Durchgang. Die Welt, auch diese beste Welt, kann und muss nicht letzte Heimat sein.

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„Lobet und preiset meinen Herrn
und dankt und dient ihm mit großer Demut“.

Sein letztes Wort in diesem Lied ist „Lob“ und „Preis“. Diese Worte zeigen uns wie radikal der Glaube des Franz von Assisi ist. Radikal in dem Sinn, wie er seinen Glauben mit seinem ganzen Dasein zum Ausdruck bringt: dienen in großer Demut. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ So spricht Jesus. Diese Gottes Worte haben Franziskus begleitet sein ganzes Leben. Amen

Erinnerung an Fürstpropst Wolfgang II Griesstetter – als einziger Propst in der Franziskanerkirche begraben


1Wer in der heutigen Franziskanerkirche an der Nordseite entlanggeht, stößt auf ein mächtiges Epitaph: Wolfgang II Griesstetter, Fürstpropst zu Berchtesgaden (1541 -1567). Er wurde auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin nicht wie die meisten anderen Berchtesgadener Fürstpröpste in der Stiftskirche, sondern als einziger Propst in der damaligen Kirche zu Unserer Lieben Frau am Anger begraben. Sein Grabdenkmal wurde schon vor 1560, also noch zu Lebzeiten des Propstes, von dem niederländischen Steinbildhauer Niclas van der Mitter in Rotmarmor gestaltet. Der obere Teil des Epitaphs zeigt eine Pieta mit Assistenzfiguren, links unten demütig kniend der betende Propst mit Wappen und Inful; das Relief dürfte somit Porträteigenschaft haben (s. u. Bild).

Verschleppte Bautafel von 1557 entdeckt
Im Zusammenhang mit der gelungenen Neugestaltung bzw. Renovierung des Berchtesgadener Bahnhofs wurde im Treppenaufgang eine alte, verschleppte Bautafel aus Rotmarmor entdeckt. Sie konnte nun entziffert und baugeschichtlich zugeordnet werden.
Der Text der Inschrift lautet wörtlich: „Anno Dni MDLV II / hat Brost Wolfgang / 2Griesteter disen Pau / machen lassen“ („Im Jahre des Herrn 1557 hat Propst Wolfgang Griesstetter diesen Bau machen lassen“). Unterhalb der Textzeilen sind das Stiftswappen und das persönliche Wappen von Stiftspropst Wolfgang II. Griesstetter (Schreibweise auch Griesstätter), er regierte von 1541 – 1567, eingemeißelt. Das Stiftswappen links ist leicht an den gekreuzten Petrusschlüsseln zu erkennen. Das viergeteilte Griesstetter-Wappen daneben zeigt jeweils in zwei diagonalen Feldern auf einem Dreiberg einem Bienenkorb bzw. nach anderer Deutung einer Laterne und sechs stilisierte Helme. Bekrönt werden die beiden Wappen durch die Propstmitra (Inful) mit den beiden geschwungenen Bändern sowie dem weiteren Zeichen seiner kirchlichen Macht, dem Bischofsstab.

Schwieriger gestaltete sich die Zuordnung der Bauinschrift und damit die Suche nach dem  „Bau“. Propst Wolfgang II. würden wir heute als einen modernen Unternehmer in schwieriger Zeit bezeichnen, der über organisatorische Fähigkeiten und wirtschaftliche, auch bergmännische Kenntnisse verfügte. In der Stanggass beim Thannlehen (heute Oberthannlehen) waren damals eine Salzquelle und an der Gmundbrücke ein Steinsalz- lager entdeckt worden. Von diesen beiden Vorkommen versprach man sich finanziell so viel, dass Propst Griesstetter 1555 mit dem Bayernherzog Albrecht V. einen wichtigen, ja entscheidenden Vertrag abschloss. Dabei sagte der Berchtesgadener Propst den Bau eines neuen Pfannhauses zu, also einer Saline zur Auswertung der neu gefundenen Salzlager! Diese Saline wurde auf dem Grunde des ehemaligen Frauenklosters am Anger, nämlich Frauenreut (Fronreut) am früheren Güterbahnhof, dem heutigen Salinenplatz errichtet. Das Stift Berchtesgaden verfügte nun neben der Saline in Marktschellenberg über eine zweite Sudstätte, in der man ab 1558 über eine Salzrinne auch die Sole aus dem 1517 aufgeschlagenen Petersberg versieden konnte. Diese Saline brannte 1820 ab. Der daraufhin errichtete Neubau wurde nach der Stilllegung der Saline 1927 abgebrochen (1931) und das Grundstück an die Deutsche Reichsbahn verkauft.
Beim Neubau des Berchtesgadener Bahnhofs (1937 – 1940) wurde die funktionslos gewordene Bauinschrift wohl im Turmaufgang neu angebracht. Sie dürfte somit das letzte erhalten gebliebene Relikt der alten Saline von 1557 sein.

3Das prächtige Grabdenkmal in der Franziskanerkirche ist das Zeugnis der kraftvollen Wirtschaft dieses am 14. Juli 1567 im Alter von 77 Jahren verstorbenen Propstes, der seit 1559 zudem den Titel eines Reichsfürsten führte. Grund genug diesem verdienten Landesherren auch eine Straße in Berchtesgaden zu widmen, die Griesstätter-Straße (Verbindungsstraße zwischen Maximilian- und Ludwig-Ganghofer-Straße).

Kurz vor seinem Todes gründete er noch eine großzügige Stiftung, den „Wolfgang- Griesstetter-Fond“, den er mit 10.000 Gulden Stiftungsvermögen ausstattete. „Der geistigen und materiellen Wohlfahrt“ lautete der Stiftungszweck, was sowohl der tiefen Religiosität wie der patriarchalisch-landesherrlichen Fürsorge des gefürsteten Augustiner- Chorherrenpropstes seinen Untertanen gegenüber ideal entsprach.
Und jetzt schließt sich der Kreis: Als ein in Berchtesgaden geborenes Landeskind ersuchte der Studiosus Thomas Kessler am 7. August 1655 um ein Stupendium aus der „Propst- Wolfgang-Griesstetter-Stiftung“4 zum Studium der Philosophie und Theologie an einer katholischen Universität. Später als wohl bestellter Pfarrkaplan in Berchtesgaden unterstützte er zusammen mit dem Stiftsdekan Johann Georg von Leoprechting die Bitte des aus der Gern stammenden Wolfgang Hueber, salzburgischer Unterwaldmeister in der Herrschaft Itter, zum Bau einer Kapelle für dessen geschnitztes Muttergottesbild.

Das war 1666; und so feiert heuer die Pfarrei Berchtesgaden „ 350 Jahre Gnadenbild Maria in der Gern“.

29.09.2016
Johannes Schöbinger Kreisheimatpfleger

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