Wenn die Glocken nach Rom fliegen

Vom Brauchtum rund um Ostern An die Fangfrage im Religionsunterricht erinnere ich mich sehr gut: „Was ist das größte Fest der Christenheit?“ Spontan antwortete die Klasse im Chor: „Weihnachten!“ – „Falsch!“ verkündete der Religionslehrer: „Falsch! Falsch! Ostern!“ Nicht ohne vorwurfsvoll hinzuzufügen: „Ihr denkt doch nur an die Geschenke!“ Betroffenes Schweigen und Kopfschütteln auf unserer Seite. Recht hatte unser Religionslehrer. Ostern ist das höchste und zugleich älteste Fest der Christenheit. In diesem Zusammenhang sind im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Bräuche entstanden. Nachfolgend wird eine Auswahl der wohl bekanntesten vorgestellt und kurz erläutert. Der Name Gründonnerstag leitet sich vom mittelhochdeutschen „greinen“ oder „grienen“, vom klagenden Weinen her. An diesem Tag wurden die Sünder, die während der Fastenzeit Buße geleistet hatten, die „Greinenden“, wieder in die gottesdienstliche Gemeinschaft aufgenommen. Deshalb kennt man bei uns auch die Bezeichnung „Antlasstag“ (= Entlasstag). Fußwaschung: Als Zeichen der dienenden Liebe Jesu waschen in vielen Kirchen die Priester in Erinnerung an die Apostel zwölf Männern oder Frauen die Füße. Dieser Brauch stammt eigentlich aus dem Klosterleben und wurde im 12. Jahrhundert in die Liturgie eingeführt. Im Blick auf die Feier des Leidens Christi verstummen nach überkommenem Brauch am Gründonnerstag mittags die Kirchenglocken. Seit der Liturgiereform schweigen jedoch Glocken und Orgel erst nach der Abendmahlfeier. Der Volksmund sagt: „Die Glocken fliegen nach Rom“. Als Ausdruck der Trauer rattern und knattern nur noch hölzerne Ratschen und Klappern, mit denen bei uns die Ministranten an den Kartagen durch den Markt lziehen oder vom Kirchturm aus die Gläubigen zum Gebet rufen. Als weiteres Zeichen der Trauer werden die Altäre entblößt. Der Karfreitag, wegen des Todes Jesu auch Klagefreitag genannt, ist geprägt vom Kirchenbesuch. Dazu zählt natürlich um 15:00 Uhr die Karfreitagsliturgie mit der Verehrung des Kreuzes Christi. Da unsere Kirchen über sehr schön ausgestattete und z. T. alte Heilige Gräber verfügen, ist der Brauch „unser’m Herrn Grabkugei’n schaugn“ überaus lebendig. Der Kalvarienberg am Fürstenstein wird neben dem Heiligen Grab fleißig besucht. Für dieses sog. „Kalvarienberg-Abbeten“ gibt es seit gut 150 Jahren ein eigenes Andachtsbüchlein. Während früher das Osterfeuer bereits am Karsamstag morgen auf die alte Art aus dem Feuerstein geschlagen wurde, beginnt heutzutage die Osternachtfeier vor der Kirche mit der Entzündung und der Segnung des Osterfeuers. Das Element Feuer kommt nur einmal in der Liturgie vor, nämlich in dieser Feier. Das Feuer gilt hier als Symbol für die Sonne, die Wärme und Licht gibt und damit Leben ermöglicht. Der Brauch, dass Kinder in einer Laterne das Osterfeuer nach Hause brachten und damit das Herdfeuer entzündeten, ist abhanden gekommen. Die Osterkerze wird am Osterfeuer entzündet. Die Kerze ist meist mit Kreuz, Alpha und Omega – dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, der Jahreszahl 2018 und fünf farbigen Wachsnägeln als Symbole für die Wunden Christi am Kreuz geschmückt. Die Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen und Christus dreimal als „Licht der Welt“ angerufen: Lumen Christi. An der Osterkerze entzünden in der Osternacht die Gläubigen ihre eigene Kerzen. Osterwasser/Weihwasser: Wasser gilt seit jeher als Symbol für Reinigung, Erfrischung, Lebensfreude; ohne Wasser kein Leben. Mittels einer Lesung aus dem Alten Testament wird auch an den befreienden Durchzug durch das Schilfmeer erinnert. In der Osternacht wurden früher die Taufbewerber, die Katechumenen, getauft. Auch deshalb wird in der Liturgie das Taufversprechen erneuert. Ostereier: Das Ei beschäftigt schon früh in der Kulturgeschichte die Phantasie der Menschen. Es gilt als Ursprungsort des Menschen oder gar des Universums; ihm wurde eine beschützende Kraft zugeschrieben. .Auch als Symbol hat das Ei eine wichtige Rolle gespielt. Man staunte über die vollendete Form. Und dass aus einem scheinbar toten Körper etwas Lebendiges hervorkommt, machte das Ei zum Symbol der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens. „Gleich einem Ei springt das Grab auf“ meinte der Kirchenvater Augustinus und sah im Ei ein Symbol für das vorhandene, aber noch nicht sichtbare neue Leben gleich dem auferstandenen Christus. Seit dem Mittelalter war das Ei eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. So mussten z. B. die Gerer Bauern jährlich dem Mesner eine bestimmte Anzahl von Eiern als Läutgeld abliefern. Warum die Eier gefärbt wurden, lässt sich nicht eindeutig erklären. Man nimmt an, dass man sie als gekochte Eier von den Zinseiern unterscheiden oder für die österliche Segnung in der Kirche schmücken wollte. Bei uns gibt es seit dem 13. Jahrhundert die „Roteier“, wobei die rote Farbe auf die Liebe, die Freude, aber auch auf das blutige Sterben Christi hinweisen soll. Osterspeisen: Hier handelt es sich um die Speisen, die in der Osternacht gesegnet werden. Speziell die Segnung von Ostereiern ist schon im 12. Jahrhundert nachweisbar; „vom Fasten zum Fest“. Einer uralten Tradition gemäß werden dazu die am Gründonnerstag gelegten Eier – sofern man noch Hühner hat – , die Antlasseier, verwendet. Der Brauch der österlichen Speisensegnung gehört zur Feier der Osternacht. Im Speisenkorb finden sich neben den erwähnten Eiern, Salz, Butter, der Osterfladen , Speck oder Schinken und Kren. Dass die Eier vor der Speisenweihe an beiden Enden aufgeschlagen werden sollen, damit die Weihe besser hinein kam, entspricht wohl eher einer magischen Glaubensvorstellung. Oapecken (Eierpecken) ist ein alter Osterbrauch mit gekochten, farbigen Eiern. Zuerst „Spitz auf Spitz“; da wird mit der Spitze des Eis solange gegen das Ei des Konkurrenten gestoßen, bis eines der beiden zu Bruch geht. Dann werden die stumpfen Enden gegen einander gepeckt. Der Sieger erhält das „eingehauene“ Ei. Osterspaziergang – Emmausgang: Er erinnert an den Marsch der Jünger von Jerusalem in das kleine Dorf Emmaus, bei dem ihnen der Auferstandene erschien. Während der pfarrliche Emmausgang heute verschwunden ist, wird der Osterspaziergang in den Familien gepflegt. Der Ostermontag ist ein „Menschertag“. Der ‚Bursch‘ holt sich von seinem Dirndl die roten Ostereier als Ostergeschenk ab. Am Nachmittag geht man „Emaus“; was man scherzhaft als „ebenaus-gehen“ auslegte und abends traf man sich zum Osterkranzl. Schon bei Johann Wolfgang von Goethe können wir im Osterspaziergang lesen: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick.“ Und dazu bietet sich der Emmaus-Rundweg von der Kirchleitenkapelle über Soleleitungsweg und Kalvarienberg zur Franziskanerkirche und durch die Fußgängerzone bis zur Stiftskirche an.

Obdach für die Seele

Kapelle der Kreisklinik Berchtesgaden erhält Schutzmantelmadonna Ein schützendes Dach über dem Kopf zu haben und vier Wände sein eigen zu nennen, ist ein hohes Gut. Im besten Fall finden wir da Schutz und Heimat, Intimität und Geborgenheit. Wie viel mehr gilt diese Feststellung für den kranken Menschen, der nicht nur einer optimalen ärztlichen Versorgung und Betreuung bedarf, sondern auch ein Bedürfnis nach klinischer Seelsorge hat, um heilende Kräfte im Kranken zu wecken. Am 27.06.2014 wurde die völlig umgestaltete Kapelle der Kreisklinik Berchtesgaden durch Weihbischof Wolfgang Bischof eingeweiht. Seither stand wieder ein Raum der Stille und des Gebetes für die Kranken und deren Angehörige zur Verfügung: Als Obdach für die Seele beim wöchentlichen Gottesdienst, zum meditativen Innehalten und für die individuelle Begegnung mit Gott, zum Ruhe suchen und zum Ruhe finden. Obwohl nach übereinstimmender Meinung ein wunderbarer Ort zum „Still sein vor dem Herrn“ hatten die Berchtesgadener das unbestimmte, aber starke Gefühl, dass etwas fehle. Der Verein der Freunde der Kreisklinik Berchtesgaden nahm sich diesem Anliegen an und konnte das Erfordernis nach einer marianischen Darstellung feststellen, die zur Kliniksituation passt und einen Bezug zur kunst- und kulturhistorischen Prägung der Region aufweist. In vielen Gesprächen mit dem Pfarrverband Berchtesgaden, dem Krankenhausträger, den Kliniken Südostbayern, sogar Herr Landrat Georg Grabner wurde eingebunden, sowie dem Kunstreferat der Erzdiözese München-Freising wurde eine allgemein akzeptable Lösung gefunden: Die Schutzmantelmadonna des verstorbenen Berchtesgadener Künstlers Hans Richter sollte passend in die Wand neben der Eingangstür eingefügt werden und die Kapelle marianisch bereichern. Da es sich bei diesem Andachtsbild um eine „Maria gravida“, also um eine Maria in der Hoffnung handelt, wird hiermit auch an die ehemalige Geburtsabteilung auf dem gleichen Stockwerk erinnert. Der Grafinger Bildhauer Robert M. Weber hat nun diesen Auftrag umgesetzt und Marienbild hat einen neuen prägenden wie einladenden Platz in der Kapelle erhalten. Am kommenden Freitag, dem 23. März 2018, um 16:00 Uhr wird das Andachtsbild im Rahmen einer Hl. Messe von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Krankenhausseelsorger Pater Benno gesegnet. Die musikalische Umrahmung liegt bei Familie Holzner. Die örtliche Bevölkerung ist herzlich zur Segnungsfeier eingeladen. Foto: Die Schutzmantelmadonna (zugleich Maria gravida) an ihrem neuen Ort. 16.03.2018 Johannes Schöbinger Vorstandsmitglied

Bedeutung der Fastenzeit

Wieder kommt das Osterfest auf uns zu! Zur Vorbereitung darauf schenkt uns die göttliche Vorsehung jedes Jahr die Fastenzeit als „eine Zeit der Umkehr und der Buße“, welche die Möglichkeit der Rückkehr zum Herrn aus ganzem Herzen und mit dem gesamten Leben verkündet und bewirkt. Wir Christen fasten nicht, um noch religiöser zu werden oder Gott einen Gefallen zu tun. Sie verzichten auf etwas, um bewusst ihren Alltag zu unterbrechen und sich auf Gott auszurichten. Dadurch nimmt man Gottes Gegenwart oft stärker wahr. Durch Fasten schärft man seine Sinne und seinen Geist. Statt fernzusehen, nimmt man sich zum Beispiel Zeit, in der Bibel zu lesen und zu beten. Die Fastenzeit wurde nicht von der Kirche des ersten Jahrhunderts befolgt! Sie wurde zuerst von der Kirche in Rom während des Konzils von Nicea 325 A.D. attestiert, als Kaiser Constantine die Kirche offiziell als Staatsreligion des römischen Reiches anerkannte. Alle anderen Formen des Christentums, die Lehren im Gegensatz zur römischen Kirche hielten, galten als Feind des Staates. Im Jahr des Herrn 360 befahl das Konzil von Laodizea offiziell die Fastenzeit zu befolgen. Durch das Fasten vor Ostern machen sich Christen das Evangelium ganz neu bewusst: dass Jesus, der Sohn Gottes, als Mensch auf die Welt kam. Dass er uns nicht nur gezeigt hat, wer Gott ist, sondern bereit war, alles auf sich zu nehmen, was uns von Gott trennt: unser Versagen, unsere Scham, unsere Schuld. Christen erinnern sich daran, dass Jesus für ihre Schuld ans Kreuz ging und als Lösegeld für sie gestorben ist. Dass es genau 40 Tage und Nächte sind, bezieht sich darauf, dass auch Jesus so lange gefastet hat. Übrigens haben auch die großen Gottesmänner Mose und Elia jeweils vierzig Tage und Nächte gefastet. Jeder darf aber selbst festlegen, ob, wie lange und auf welche Art er fasten möchte. Durch das Fasten nimmt man sich bewusst Zeit, Gottes Gegenwart zu suchen. In der Bibel haben Menschen auch gefastet, um Busse zu tun. Das bedeutet, umzukehren von falschen Wegen und sich ganz neu auf Gott ausrichten. Durch Fasten kann man außerdem ausdrücken, dass man es mit einem bestimmten Gebetsanliegen ernst meint. Manche fasten auch einfach nur, um Gott zu ehren und ihm zu zeigen, wie viel er ihnen bedeutet. Drei Dinge sind es, die dem Glauben Festigkeit geben, durch welche die Frömmigkeit Bestand hat und die Tugend bleibt: Gebet, Fasten und Werke der Barmherzigkeit. Was das Gebet erbittet, das wird dem Fasten gewährt, und die Barmherzigkeit nimmt es in Empfang. Gebet, Barmherzigkeit und Fasten, die drei Dinge sind eins, und sie verleihen sich gegenseitig Leben. Die Seele des Gebetes ist das Fasten, das Leben des Fastens ist die Barmherzigkeit. Niemand reiße die drei auseinander, sie vertragen keine Trennung. Wer nur eines von ihnen besitzt und nicht alle zugleich, der hat nichts. Wer also betet, der faste auch; wer fastet, übe auch Barmherzigkeit; wer selbst gehört werden will, der höre auf den Bittenden; wer sein Ohr dem Bittenden nicht verschließt, der findet Gehör bei Gott. Wer an Jesus glaubt, ist erlöst und muss nichts mehr dazu tun. Man braucht also nicht versuchen, Gott durch Fasten zu beeindrucken. Fasten soll auch keine Art geistlicher Hungerstreik sein, um Gott zu etwas zu zwingen. Wer so fastet, glaubt vielleicht, er weiß es ein bisschen besser als Gott, wie es laufen soll. Und das bringt nichts. Letztendlich fasten muss freiwillig sein und sollte ein Ziel haben. Wer aus Gruppenzwang fastet oder gar nicht weiß, was er damit erreichen möchte, fastet vergebens.

Der Aschermittwoch

Der Aschermittwoch eröffnet die 40 tägige Fastenzeit, welche eine Vorbereitungszeit auf das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten an Ostern ist.
„Bedenke Mensch, dass du Staub bist“
Zum Beginn der Fastenzeit erinnert das Aschekreuz als Symbol an die Vergänglichkeit des Menschen. Die Asche für das Aschenkreuz wird aus den verbrannten Palmen- oder Buchsbaumzweigen gewonnen, die am vorjährigen Palmsonntag gesegnet wurden. Der Priester besprengt die Asche, die aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen wurde, mit Weihwasser und zeichnet den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn. Dazu spricht die Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“.
Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen und symbolisiert, dass Altes vergehen muss, damit Neues entstehen kann. Mit dem Aschekreuz auf der Stirn zeigen Christen, dass sie bereit sind zu Buße und Umkehr. Sie bekennen sich gleichzeitig dazu, dass für Christen das Kreuz und der Tod nicht das Ende sind, sondern Anfang eines ewigen Lebens bei Gott.
Asche ist das Symbol der Vergänglichkeit und das zentrale Symbol des Aschermittwoch. Mit dem Aschekreuz, das sich die Christen im Gottesdienst auf die Stirn zeichnen lassen, bekunden sie die Bereitschaft zur Umkehr und zu einem Neubeginn. Sich fastend einschränken, beim Essen und Trinken wie auch beim Konsum von Genussmitteln und möglicherweise anderen Genüssen, die vielleicht schon alltäglich geworden sind, ist eine Grundvoraussetzung zur Gesundung von Leib und Seele
Die österliche Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und endet mit der Karwoche. Sie umfasst 40 Tage und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat.
Der Name des Feiertags leitet sich von einer Tradition der alten Kirche her: Damals zogen sich Büßer zu Beginn der Fastenzeit ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Die Tradition der Aschebestreuung ist seit dem 11. Jahrhundert auf die ganze Gemeinde übergegangen und gehört bis heute zur Liturgie der katholischen Gottesdienste an Aschermittwoch.
Viele Formen des Fastens
Früher war für die gesamte Fastenzeit mit nur einer täglichen Mahlzeit ein strenges Fasten vorgesehen, mittlerweile gilt dieses nur noch für den Aschermittwoch und Karfreitag.

Die Fastenzeit hat an erster Stelle nicht mit Einschränkung und Beschränkung zu tun, sondern mit Freiheit! Fasten soll mir die „Freiheit von“ zurückgeben: Was nimmt mich gefangen, engt mich ein, entfremdet mich von mir selbst? Wie werde ich frei? Das Fasten soll mich befähigen, die „Freiheit für“ neu zu bestimmen: Für welche Menschen, welche Werte, welche Aufgabe möchte ich frei sein? 

Mariä Lichtmess – Darstellung des Herrn

Zum geschichtlichen wie religiösen Hintergrund eines kirchlichen Brauchtumstages
Der Lichtmesstag am 2. Februar nimmt ein biblisches Ereignis zum Festanlass: Weil das mosaische Gesetz vorschrieb, ein neugeborenes Kind innerhalb von 40 Tagen nach seiner Geburt, in den Tempel zu bringen, beachteten auch die Eltern Jesu diese traditionelle Vorschrift. Gemäß dieser Regel galt der Akt der Reinigung der Mutter. Später, ab ca. 650 wurde daraus in der Westkirche (Rom) ein Fest Mariens: „Reinigung Marias“ und der 2. Februar zu einem Hochfest der Gottesmutter. Und das ist sicher auch eine Begründung dafür, dass der Weihnachtsfestkreis früher bis Lichtmess dauerte. Bis 1912 war dieser Tag in Bayern gesetzlicher Feiertag.

Darstellung des Jesusknaben im Tempel. Mit Simeon und der Prophetin Hanna um 1291, Mosaik. Rom, Santa Maria in Trastevere.

Laut dem Evangelisten Lukas wird Jesus bei seiner Vorstellung im Tempel vom greisen Simeon und der Prophetin Hanna als der eigentliche Herr des Tempels erkannt und benannt. Dieses biblische Ereignis führte zu dem christlichen Festtag „Fest der Begegnung des Herrn“: Der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet symbolisch dem Gottesvolk des Alten Bundes. Der Greis Simeon bezeichnete Jesus als das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“. Beide Festtage wurden am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert.
In einer Zeit ohne elektrischen Strom hatten Kerzen und Wachs eine heute kaum noch vorstellbare Bedeutung und so fehlte bei kaum einem Bauernhaus ein Bienenstock. Kerzen und Wachsstöckl wurden nur zu besonderen Anlässen angezündet. Sie waren auch ein beliebtes Geschenk und wurden auf eigenen Märkten angeboten. Kerzenweihe und Lichterprozession kamen erst später hinzu, wodurch sich der Name „Mariä Lichtmess“ einbürgerte. Das hatte seinen Grund darin, dass an diesem Tag die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien geweiht wurden, weshalb Wachsmärkte, eben Licht(er)messen, durchgeführt wurden. Zur Erinnerung an diese Metapher weiht der Priester die Kerzen. Mit den Kerzen kann der Gläubige symbolisch das „Licht der Welt“ in sein Haus holen. Welche Hoffnungen damit verbunden sein sollten, zeigt folgender alter Spruch:

„Heut ist der heilige Lichtmesstag,
die Kerzen die Kirch hineintrag!
Und lässt du sie weih’n,
schlägt kein Wetter ein.
Auf dem Acker wächst das Brot,
und der Teufel und der Tod,
die gehen alle zwei vorbei,
hast du Kerzen g’habt bei der Weih.“

Lichtmess, wichtiges Datum im bäuerlichen Kalender
Lichtmess war früher ein wichtiges Datum im bäuerlichen Kalender. Die Dienstboten bekamen am Lichtmesstag einige Tage (meistens bis zum Namensfest der Hl. Agatha am 5. Februar) frei. Es war der einzige „Urlaub“, den die Bediensteten im Jahr bekamen und die Schlenkeltage waren eine ersehnte Unterbrechung der schweren, gleichförmigen Arbeit. Außer dem Zahltag war Maria Lichtmess auch der Tag des Dienstbotenwechsels: „Heit is Lichtmesstag, singan de Moasn, heit is a scheena Tag, da muaß i roasn…“. Den Mägden und Knechten war es freigestellt, an dem Hofe, an dem sie bis zum 2. Februar waren, für ein weiteres Jahr zu bleiben oder sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Wollte der Dienstbote kündigen, so konnte er dies mit den Worten „Bauer, wir zwei machen Lichtmess“ das Arbeitsverhältnis am Lichtmesstag beenden. Daraufhin wurde der Knecht oder die Magd dann ausgezahlt und erhielt vom Bauern das „Verdingbuch“, eine Art Zeugnis und Beurteilung über die geleistete Arbeit.

Altes Wachsstöckl, wie sie früher an Lichtmess verkauft wurden.

Ein schönes Wachsstöckl zum Lichtmesstag konnte jene Magd von jenem Knecht erwarten, dem sie das Jahr über das Bett machte. Der „Aufbettstock“ galt als Anerkennung für das Aufbetten, Kammerrichten und Wäschewaschen, das Frauenarbeit war. „Dirn, i hab dir an Wachsstock, iatzt muasst mi a mögn.“

Reich an religiösem Brauchtum

Dieser Tag war reich an religiösem Brauchtum wie z. B. das Rosenkranz Beten: Die gesamte Familie kam/kommt am Abend von Maria Lichtmess zusammen um den Rosenkranz zu beten. Hierbei brannten in der Stube so viele geweihte Kerzen bzw. eigene, dünne Lichtmesskerzlein, sogenannte Pfenniglichter wie Beter zugegen waren. Die Art und Weise, wie die jeweilige Kerze einer Person brannte, wurde gedeutet. Flackerte eine Kerze auffällig stark, hieß es, dass der Betende dieser Kerze bald krank werden würde. Ein zu frühes Erlöschen einer Kerze bedeutete nach dem Volksglauben den nahenden Tod. Gebetet wurde so lange, bis alle Kerzen abgebrannt waren. In manchen Bauernhöfen wurde die übriggebliebene Dochtasche – auf ein Stück Brot gelegt – als Schutzmittel dem Vieh zum Fressen gegeben.

Das Fest „Darstellung des Herrn“
Seit der Liturgiereform wird der Lichtmesstag wieder als Herrenfest gefeiert und führt den Namen „Darstellung des Herrn“. Denn der Erstgeborene „gehörte“ nämlich Gott. So verändern kirchliche Reformen altes Herkommen und Brauchtum, auch wenn gängige Bauern- und Wetterregeln weitergelten:

„Wenn‘ s zur Lichtmess stürmt und schneit – ist das Frühjahr nimmer weit!
Ist’ s zur Lichtmess hell und fein, wird’ s ein langer Winter sein.
Segnet man die Kerzen im Schnee, weiht man die Palmen im Klee.
Lichtmess im Klee — Ostern im Schnee !“ Also: trübes bedecktes Wetter am Lichtmesstag wird allseits als günstig erachtet!

Und wie ist wohl dieses Jahr?

Kerzenhändler – Detail aus Gerner Kastenkrippe, um 1750
Text und Bilder: Johannes Schöbinger

Quelle: Stiftland Berchtesgaden

»Lichtmess hängt im luftleeren Raum«

Berchtesgaden – Früher war Mariä Lichtmess einer der wichtigsten Tage im Kirchenjahr. Das Ende der Weihnachtszeit. Heute, in der säkularisierten, egozentrischen Gesellschaft, spielt er kaum noch eine Rolle. Der Oberauer Diakon Michael König bedauert das. »Lichtmess hängt im luftleeren Raum«, findet er. Früher sei es, vor allem auf dem Land, üblich gewesen, der Kirche an Mariä Lichtmess Kerzen zu spenden und den eigenen Jahresbedarf weihen zu lassen. Beides gibt es heute kaum noch«, bedauert der Diakon. »Vielleicht mal eine Wetterkerze oder einen Wachsstock.« Auch sei es nur noch in wenigen Familien üblich, Kerzen für die Ange-hörigen anzuzünden. Wobei, immerhin: »Die jeweiligen Gottesdienste sind ziemlich gut besucht«, so Michael König. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil Mitte der 60er-Jahre beendete der Lichtmesstag die Weihnachtszeit. In Oberbayern wird das auch heute noch oft so gehandhabt. So wird auch, wie der Diakon erklärt, der Christ-baum im Pfarrhaus erst heute abgebaut. Obwohl die Weihnachtszeit heute offiziell mit dem Fest »Taufe des Herrn« am Sonntag nach dem Dreikönigstag zu Ende ist. Der Kerzenkauf für das Stiftsland Berchtesgaden läuft inzwischen zentral über die Kirchenverwaltung.Wie Michael König erklärt, melden die Mesner ihren jeweiligen Bedarf. Passt der Kostenvoranschlag, wird in der Re-gel bei einem Kerzenhändler in Höglwörth eingekauft. Was viele nicht wissen: Für die Verwendung von Kirchen-kerzen gibt es mehrere Vorschriften. So müssen sie zum Beispiel mindestens 10 Prozent Bienenwachs enthalten. Wie Michael König weiter erklärt, müssen sie außerdem naturweiß sein. Lediglich die sogenannten Apostelkerzen dürfen auch einen roten Fuß haben. »Die Größe der Altarkerzen richtet sich nach den jeweiligen Proportionen des Altars«, weiß der Diakon Apropos Altar: Es gibt sechs Altarkerzen, die sich neben dem Altar und nicht darauf befinden sollen. So wie in der Stiftskirche. »Nach scher Auffassung soll der Altar frei sein«, weiß König. Auch Blumenschmuck dort nichts verloren. Osterkerzen werden übrigens nicht an Lichtmess, sondern in der Osternacht geweiht. Eng mit Lichtmess verbunden ist die Spende des Blasiussegens am 3. Februar. Denn auch dabei spielen Kerzen eine wichtige Rolle. Der Segen soll die Gläubigen unter anderem vor Halsschmerzen bewahren. Und im Gegensatz zu den Lichtmessbräuchen ist der Blasiussegen nach wie vor populär. »Halsschmerzen sind auch heute noch gefährlich, die Dunkelheit nicht mehr«, sagt Michael König. »In Zeiten von Brandmeldern sind Kerzen nicht mehr beliebt.« Die Beliebtheit des Blasiussegens, der liturgisch wenig Bedeutung hat, erklärt der Diakon mit seiner Individualität. »Die Menschen wollen heute persönlich berührt werden.« Deshalb werden die Kirchen des Talkessels auch an diesem Wochenende wieder voll sein. Christian Fischer/ Quelle: Berchtesgadener Anzeiger

Weihnachten – In der Heiligen Nacht

So wie jedes Jahr um jene Zeit lagerten auch diesmal wieder Hirten auf freiem Feld in der Nähe der Stadt Bethlehem. Es waren schlichte und einfache, zugleich aber auch gottesfürchtige Leute, die hier bei ihren Schafen Wache hielten. Das Weihnachtsfest spricht die tiefsten menschlichen Sehnsüchte an. Es weckt Bilder von Heimat und Geborgenheit. Vielleicht ist unser Glaube in seiner tiefsten emotionalen Schicht so etwas wie Heimweh nach Gott. Das Evangelium der Heiligen Nacht zeigt uns, wo wir Licht und Leben finden können: im Kind in der Krippe. Das Evangelium greift das Suchen und die Ratlosigkeit der Menschen auf und lenkt sie auf Jesus Christus: »Ihr werdet ein Kind finden.« Jesus wird in die Zeit hineingeboren, als Rom die Macht über die Welt perfekt organisiert hatte, um sich alles verfügbar zu machen. Im Zentrum der Macht herrschten ein unglaublicher materieller Reichtum und gleichzeitig eine maßlose Gier nach mehr!! In diese Welt, gespalten in Reich und Arm, in Macht und Ohnmacht kommt Gott als hilfloses Kind. So macht er seine Vorstellung vom Menschen deutlich und sichtbar. Er zeigt anschaulich, wie die Wege zu Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde aussehen. Aber er macht die Wege nicht nur sichtbar, er geht sie selber. Die Feier der Heiligen Nacht weckt vielleicht auch heute die Sehnsucht, selber Mensch zu werden, Mensch nach dem Bild und Gleichnis dessen, der uns aus der Krippe heraus anschaut. Dürfen wir die Worte der Engel auch auf uns beziehen? Sind auch wir angesprochen? Sind auch wir gemeint mit der frohen Botschaft, dass heute „in der Stadt Davids der Retter geboren“ ist, Christus, der Herr? Ist er auch „für uns“ geboren? Was aber dann geschieht, ist ein Geheimnis der Liebe! Denn Gott lässt jene armen Hirten – zu denen auch wir uns zählen dürfen – nicht leer zurückgehen. Er beschenkt sie mit dem ganzen Reichtum seiner Gnade. Die Freude ist übergroß; was sie in jener stillen und Heiligen Nacht erlebt haben, wird sie für immer prägen und begleiten. Nehmen auch wir die Freude über die Geburt des Erlösers mit auch in unsere Häuser und Familien. Das Friedenslicht von Bethlehem ist ein Zeichen dafür, dass diese Freude sich ausbreitet und die Dunkelheit der Nacht erleuchtet mit dem Licht der Hoffnung. So möge der Friede herrschen, den Christus gebracht hat, der Erlöser der Welt!

Kohlgraf zum Vaterunser: Gottesbild nicht weichspülen

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich in die Vaterunser-Debatte eingeschaltet. „Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium entspricht“, schrieb er am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. Frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, die Sprache Jesu, zurückzuübersetzen, seien nicht eindeutig gelungen. „Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen“, so Kohlgraf. Wegen der derzeitigen Diskussion über eine mögliche Neuformulierung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ hätten besorgte und interessierte Gläubige ihn um eine Stellungnahme gebeten, schreibt der Bischof. Bei der Bitte, dass Gott die Menschen nicht in Versuchung führen möge, gehe es nicht um kleine Versuchungen, „sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott“, so Kohlgraf. Solche Versuchungen gebe es gleichermaßen im Alten wie im Neuen Testament. Jesus werde in der Wüste zwar vom Teufel in Versuchung geführt. Es sei aber der Geist Gottes selbst, der Jesus in die Situation führe, sich für oder gegen den Vater entscheiden zu müssen. Eine entsprechende Situation wiederhole sich vor seinem Leiden im Garten Getsemani. „Gott ist offenbar nicht nur ‚lieb‘, vieles bleibt in seinem Ratschluss uns Menschen verborgen“, schlussfolgert Kohlgraf. Dunkle und unverständliche Seiten Gottes Auch die Menschen heute könnten in solche existenziellen Prüfungssituationen kommen. Dabei kämen sie um die grundlegende Frage nicht herum, ob sie Gott vertrauen oder sich von ihm lossagen wollten, so der Bischof. „Die Bibel lässt zumindest die Möglichkeit zu, dass Gott Menschen eine solche Situation nicht erspart, ja sogar herbeiführt.“ Man tue ihnen keinen Gefallen, wenn man die dunklen und unverständlichen Seiten Gottes ausblende. Es sei demnach nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was man nicht verstehe, schreibt Kohlgraf. „Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen.“ Papst Franziskus hatte in der vergangenen Woche die unter anderem auch in Deutschland verwendete Fassung der Vaterunser-Bitte „Führe uns nicht in Versuchung“ kritisiert. Dies sei „keine gute Übersetzung“, sagte er in einem Interview des italienischen Senders TV2000. Es sei nicht Gott, der den Menschen in Versuchung stürze, um zu sehen, wie er falle. „Wer dich in Versuchung führt, ist Satan“, so der Papst. Franziskus nahm damit Bezug auf einen Beschluss der französischen Bischöfe, die offizielle Übersetzung zu ändern. Die freie Übersetzung lautet dort nun: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Im Zusammenhang mit der französischen Initiative hatten auch Theologen im deutschen Sprachraum eine Anpassung verlangt. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnte hingegen vor einer „Verfälschung der Worte Jesu“. (tmg)  http://katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kohlgraf-zum-vaterunser-gottesbild-nicht-weichspulen  

Königin des Rosenkranzes

Der Montan Oktober gilt in der katholischen Kirche als Rosenkranz-Monat, in dem das Gebet zu Maria besonders gepflegt wird.
Vor 100 Jahren ist die Gottesmutter in Fatima erschienen und hat dort von den 3 Hirtenkindern den Rosenkranz gewünscht und gesagt: „Ich bin die Königin des Rosenkranzes!“.
Bei allen Erscheinungen hat die Muttergottes den Wunsch geäußert, täglich den Rosenkranz zu beten.
Papst Benedikt XVI. betont, dass der Rosenkranz ein kontemplatives und auf Christus ausgerichtetes Gebet, und nicht von der Meditation über die Heilige Schrift zu trennen sei.
Das Rosenkranzgebet ist wie jedes Gebet ein Gebet der Beziehung. Es geht letztlich immer um die Begegnung mit Jesus Christus.
Maria ist dabei eine große Hilfe, indem sie unseren Weg hin zu dieser Begegnung unterstützt.
Papst Johannes Paul II. hat in diesem Zusammenhang ein Wort geprägt, das uns diesem Geheimnis der Begegnung näherbringt.
Er schreibt in seiner Rosenkranzenzyklika Rosarium Virginis Mariae: „Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen“.
Wenn wir den Rosenkranz beten, dann beten wir also nicht allein. Wir sind in guter – ja bester! – Gesellschaft. Maria nimmt uns an der Hand und lehrt uns durch ihr Beispiel.
Maria geht mit uns den Weg, Schritt für Schritt, Perle für Perle. Maria drängt sich dabei nicht auf, sie nimmt sich zurück und gibt dem Raum, der Alles in Allem sein soll. Das Leben Jesu sollen wir betrachten, dann wird auch die Liebe zu Jesus immer größer. Je besser man einen kennt, desto größer und inniger ist auch die Beziehung zu ihm.
Beten lernt man durch Beten. Nur wer sich aufs Gebet einlässt, der wird auch seine Erfahrungen damit machen. Das gilt auch für den Rosenkranz. Er ist ein geistliches Werkzeug, das uns angeboten ist.
Nägel kann man mit allerhand einschlagen. Aber mit nichts geht es leichter als mit einem Hammer.
Beten kann man auf verschiedene Weise, aber kein Gebet hilft uns so sehr, zu den oben genannten marianischen Grundhaltungen zu gelangen als der Rosenkranz. Lassen wir uns vom Resultat überraschen!

Das Gipfel-Kreuz

In unserem gelobten Berchtesgadener Land ist auf jedem Berggipfel ein Kreuz zu finden. Am Kreuz kommt keiner vorbei. Wanderer freuen sich, wenn sie auf ihrer Bergtour endlich das Gipfelkreuz erreicht haben. Manche Bergwanderer nutzt das Innehalten am Gipfelkreuz, um das Gute und das weniger schöne ihres Alltags zu reflektieren und somit einen besseren Überblick über ihr Leben zu bekommen. Und nicht wenige haben oben auf dem Gipfel auch einen klareren Blick auf Gott; sie spüren: Gott hat alles wunderbar gemacht! Er liebt auch mich! Das Kreuz auf dem Berg wurde zum Zeichen der Erlösung, der Himmel und Erde zusammenhält. So sind in unseren Landen Kreuze auf den Bergen auf-gestellt, die alle unsere Berge mit Golgatha, mit Christus, mit der Erlösung in Verbindung bringen. Als Zeichen des erfolgreich durchgeführten Gründungsfestes zum 75. Jubiläum der Wehr Königssee beschloss der damalige Ausschuss, ein Kreuz auf dem Fagstein zu errichten. Alle zwei Jahre findet seitdem auf dem Fagstein eine Bergmesse statt, um der gefallenen und verstorbenen Vereinskameraden zu gedenken. Im Jahre 1976 wurden die Vorbereitungen zur Errichtung des Kreuzes durch die Wehrmänner aus Königssee vorgenommen. Im Herbst 1976 wurde das Kreuz bei starkem Schneetreiben aufgestellt. Aufgrund der schlechten Wetterlage musste die Einweihung auf das folgende Jahr 1977 verschoben werden. Wenn wir auf unsere Lebenswege schauen, dann kann es ganz tröstlich sein zu wissen: Auch Abraham als enger Vertrauter Gottes, auch die Apostel als die besten Freunde Jesu haben immer wieder ihre Zweifel an Gott gehabt. Es ist sehr wichtig, nicht aufzugeben, sondern weiterzugehen, beharrlich – manchmal hartnäckig – an Gott festzuhalten, so wie es Abraham und die Apostel getan haben. Dann werden auch die Gipfel-Erlebnisse im Leben nicht ausbleiben; dann wieder klar: Gott liebt mich! Er begleitet mein Leben auf ein gutes Ziel hin. Und nach diesem Leben zeigt er mir die volle Schönheit seines Reiches. Die Nebelstrecken, die Zweifel an Gott gehören zum Leben dazu. Doch ebenso zum Leben gehören die Gipfel-Erlebnisse, die uns Überblick über unser Leben verschaffen und uns erkennen lassen: Mein Leben ist getragen und gesegnet von Gott! Auf dem Gipfel habe ich auch die klare Sicht über dieses Leben hinaus; ich weiß: wenn einmal mein Leben zu Ende geht, dann werde ich nicht im Nebel versinken, sondern auf dem höchsten Gipfel meines Lebens ankommen – und dort wartet kein Kreuz auf mich, sondern die Auferstehung!