Weihnachten – ein Fest voller Rätsel.

Mit Weihnachten kennt sich jeder aus – oder?

In der Oktav vor Weihnachten pflegen die Berchtesgadener Weihnachtsschützen ihr altes Brauchtum, indem sie um 15:00 Uhr während die Kirchenglocken läuten das Christkind anschießen.

Wir wollen in dieser Zeit Ihr Wissen über das Weihnachtsfest testen. Keine Angst, es sind keine kniffligen Fragen, wovon Sie sich nachfolgend überzeugen können. Nachdenken muss man schon ein wenig. 

Hier die acht Fragen zu Weihnachten:

  1. Weshalb feiern wir Weihnachten?
  2. Woher kommt das Wort Weihnachten?
  3. In welchen Ländern ist Weihnachten verboten?
  4. Warum bekommen wir Geschenke?
  5. Warum hat Luther das Christkind erfunden?
  6. Welches ist das beliebteste Weihnachtlied?
  7. Wie lange dauert Weihnachten?
  8. Warum stellen wir Christbäume auf?

Wir werden die Rätselfragen beginnend am 17. Dezember 2019 mit Text und Bild beantworten und Sie können erfahren, was Sie schon alles über Weihnachten wissen.

Es gibt zwar keine Preise, a ber die Freude auf das Weihnachtsfest lässt sich steigern.

Zur Einstimmung ein Bild des italienischen Malers Duccio di Buonsegna, das um 1300 entstanden ist.

Weihnachten – ein Fest voller Rätsel

Am 17.Dezember 2019: Warum feiern wir Weihnachten?

Auf unserer Erde leben rund zwei Milliarden Christen, die jedes Jahr neben Ostern und Pfingsten vor allem Weihnachten als das erste Hochfest des Kirchenjahres feiern. Seit dem Jahr 336 ist dieses Fest am 25. Dezember nachgewiesen. Es wird auch Christfest oder Heiliger Christ genannt. Es erinnert an die Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem vor über 2000 Jahren. Weil Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, feiern wir Weihnachten.

Das Bild zeigt die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem; orientalische Krippe aus der Stiftskirche Berchtesgaden.

Am 18. Dezember 2019:  Woher kommt das Wort Weihnachten?

Das Wort Weihnachten bedeutet eigentlich die „geweihte Nacht“. Es kommt in der Bibel nicht vor. Der früheste Beleg hierfür findet sich in der Predigtsammlung Speculum Eccelsiae, die um 1150 entstanden ist.

In dieser Handschrift „Spiegel der Kirche“ steht  in Althochdeutsch geschrieben: „diu gnade diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wihe naht“

Das bedeutet in unser heutiges Deutsch übertragen: „Die Gnade kam zu uns in dieser Naht: deshalb heißt sie nun Weihnacht.“

Das erste Wortglied „wih = weih“ wird aus dem Germanischen abgeleitet und bedeutet „heilig“. Also kann man „wihe naht“ auch mit heilige Nacht übersetzen.

Minnesänger haben im 12. und 13. Jahrhundert zur Verbreitung des Wortes „wihe naht“ beigetragen und den Weihnachtsbegriff in seinem eigentlichen religiösen Sinne verwendet, als das Fest der Geburt des Heilands und als ein Moment der Hoffnung und Rettung durch einen mächtigen Erlöser.

Zu den beiden Bildern aus der Bayer. Staatsbibliothek.

Bild 1 zeigt die erste Seite des Speculum Ecclesiae.

Auf Bild 2 ist „wihe naht“ in der Zeile 6  nachzulesen.

Am 19. Dezember 2019:  In welchen Ländern ist Weihnachten verboten?

Es mag verwundern, dass in einer vermeintlich aufgeklärten und global vernetzten Welt das Weihnachtsfest verboten ist. Hier vier Beispiele.

Im Sultanat Brunei verbot die Regierung sämtlichen Weihnachtsschmuck  sowie das Singen von Weihnachtsliedern, weil das Weihnachtsfest den muslimischen Glauben gefährde. Bei Verstößen drohen drastische Strafen: bis zu 20.000 Dollar Geldstrafe und bis zu fünf Jahren Gefängnis.

In Nordkorea werden die Christen als „Gefährdung der Gesellschaft“ verfolgt. Öffentliche Religionsausübung ist bei Strafe verboten; das Feiern des Weihnachtsfest fällt unter dieses Verbot.

In Somalia wurde im Dezember 2015 das Weihnachtsfest mit der Begründung verboten, es handle sich um ein muslimisches Land, das „null Toleranz“ gegenüber nicht-islamischen Testen und Gebräuchen habe.

In Tadschikistan verbot die Regierung verbot Weihnachtsbäume, Feuerwerk, Festessen und Bescherung an Heiligabend.

Das sind die Flaggen der vorgenannten Staaten.

Am 20. Dezember 2019:  Warum bekommen wir Geschenke?

Weihnachten ohne Geschenke unvorstellbar. Die Werbeindustrie sorgt schon Monate vor dem Fest, dass wir ja das Richtige finden, d. h. kaufen oder selber basteln. Doch auch das Schenken hat einen christlichen Hintergrund: Jesus war das Geschenk Gottes an die Menschen und schon die Hirten brachten dem Gotteskind Geschenke. Die Weisen aus dem Morgenland, nach unserer Tradition die Heiligen Drei Könige, kamen auch nicht mit leeren Händen zum Stall von Bethlehem; sondern sie schenkten Gold, Weihrauch und Myrrhe.

In Anlehnung daran beschenken wir uns an Heiligabend. In anderen Ländern erfolgt die Bescherung erst am Weihnachtsmorgen. Allerdings war Weihnachten in vielen Ländern Europas lange kein Fest des Schenkens. Die Geschenke brachte der Nikolaus. In Südeuropa und in orthodoxen Ländern müssen Kindern und Erwachsene länger warten. Denn dort gibt es die Geschenke erst am Dreikönigstag. In Italien beispielsweise bringt gute Befana, eine gutmütige Hexe, die Geschenke am 6. Januar. 

Am 21. Dezember 2019:  Warum hat Martin Luther das Christkind erfunden?

Die Beantwortung dieser Frage schließt sich direkt an den Text vom Vortag an. Es geht nochmals ums Schenken und zwar um den Geschenkebringer. Das ist durchaus komplizierter als man denkt.

Obwohl in der biblischen Krippe im Stall von Bethlehem ein Bub lag, wird das Christkind von einem Mädchen mit weißem Gewand und Flügeln dargestellt. Dies hat weniger mit dem neugeborenen Jesuskind zu tun als mit der Vorstellung von Engeln. Auch bei den vielfältigen bildlichen Darstellungen treffen wir auf diese engelsgleiche Erscheinung.

Heute hält das Christkind vor allem in katholischen Gegenden Einzug und übernimmt die Bescherung am Heiligen Abend, wobei der Protestant Martin Luther diesen Brauch einführte.

Als Protestant und Gegner der Heiligenverehrung suchte Martin Luther nach einer Alternative zum Heiligen Nikolaus, dem ursprünglichen ursprünglichen Gabenbringer. Schon zum Weihnachtsfest 1536 schwenkte er zur biblischen Quelle. Luther ersetzte den Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ selbst, der die Gaben bringen sollte und verlegte die Bescherung auf Weihnachten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Begriff Christkind als Gabenbringer.

Zu den Bildern:

Das Christkind vom Hochaltar der Stiftskirche und ein liebliches Christkind aus der Werbung

Am 22. Dezember 2019:  Welches ist das beliebteste Weihnachtslied?

Da gibt es drei Favoriten nämlich: „Fröhliche Weihnacht überall“, dann „Leise rieselt der Schnee“, doch Spitzenreiter ist eindeutig „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Joseph Mohr, Hilfspfarrer in Oberndorf bei Laufen, schrieb 1816 die bekannten Verse und bat den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber um eine Vertonung. Die Komposition erfolgte zwei Jahre später im Jahr 1818. Joseph Mohr wirkte bei der Uraufführung im selben Jahr als Sänger mit; und er begleitete sich auf der Gitarre, damals ein höfisches Instrument, das die einfache Landbevölkerung nicht kannte, sondern einem alten Kirchenbericht zufolge zunächst für eine Art Insektenfalle hielt.

Die einfache, aber eingängige Melodie des Liedes verbreitete sich relativ schnell um Alpenraum. Von dort nahm es seinen Weg zunächst über Europa und Amerika in die gesamte Welt. In dieser Zeit ist der deutsche Liedtext weltweit in mehr als 300 Sprachen und Dialekte übersetzt und gesungen worden. Von den ursprünglich sechs Strophen werden in der allgemein bekannten Fassung nur die erste, zweite und letzte Strophe gesungen. 2011 wurde Stille Nacht, heilige Nacht von der UNESCO auf Antrag als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Joseph Mohr (1792 – 1848) war übrigens im Sommer 1815 für einige Zeit auch als Aushilfspriester in der Ramsau tätig.

Zu den Bildern: Portrait von Joseph Mohr aus der Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf und der Liedtext in Esperanto

Am 23. Dezember 2019:  Wie lange dauert Weihnachten?

Diese Frage ist eigentlich leicht zu beantworten, wenn man es genau nimmt: Weihnachten ist am 25. Dezember. Am Vortag, also am Heiligen Abend, gibt es im Grunde genommen nichts zu feiern. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich allerdings immer mehr Bräuche eingebürgert – möglicherweise auch, damit es die Menschen bis zum Beginn der Christmette um Mitternacht durchhalten; denn da beginnt die christliche Weihnachtszeit. Gefolgt vom zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Stefanitag. Gefühlt ist für manche Leute dann Weihnachten schon zu ende: Werbung für das Silvesterfeuerwerk und Fasching kündigt sich auch schon an.

Doch es folgen weitere wichtige Tage zur Jahreswende wie das Fest der Beschneidung des Herrn am 1. Januar und der Heilig-Dreikönigstag am 6. Januar, einem wichtigen Feiertag im Kirchenjahr mit viel eigenständigem Brauchtum:

CMB – Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus.

Offiziell dauert die Weihnachtszeit seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ( 1965) bis zum ersten Sonntag nach dem Dreikönigstag, und das ist diesmal der 12. Januar 2020.

Zum Bild: Anbetung der Drei Könige, Rogier van der Weyden (um1400 – 1464), vom Dreikönigsaltar in Köln.

Da drängen sich  die Hauptgestalten neben Bediensteten und anderem Volk um die heilige Familie. Ganz rechts, der junge, prächtig gekleidete König, hat ehrfurchtsvoll seinen Hut gezogen. Damit will er sagen: „ Ave Maria – Gegrüßet seist Du Maria“. Entscheidende Botschaft dieses Bildes ist, dass die Starken, die Reichen und Mächtigen freiwillig vor dem schwachen und armen Kind in die Knie gehen.

Am 24. Dezember 2019:  Warum stellen wir Christbäume auf?

Die Tradition des Baumschmückens, der dekorierten Bäume stammt aus vorchristlicher Zeit. Wir wissen, dass in vielen unterschiedlichen Kulturen immergrüne Pflanzen Lebenskraft verkörpern und die Menschen früherer Zeiten glaubten, sich Gesundheit ins Haus zu holen, wenn sie ihr Heim zur Zeit der Wintersonnenwende mit Grün schmückten. Grün im Winter sollte Hoffnung fürs neue Jahr geben.

Für die Christen nimmt der geschmückte Christbaum Bezug auf den Baum der Erkenntnis im Paradies. Theologisch gedeutet verkörpern die bunten Christbaumkugeln die Früchte des Paradiesbaumes. Sterne und glitzernder Schmuck  sollen daran erinnern, dass Gottes himmlische Herrlichkeit mit der Geburt Jesu auf die Erde kam. Regional gab es individuellen Christbaumschmuck. Der erste christlich motivierte Christbaum ist im Elsass zu Beginn des 16. Jahrhunderts nachweisbar. Er verbreitete sich von dort aus vor allem in evangelischen Gebieten. Es dauerte lange bis der Christbaum auch bei uns heimisch wurde. Denn die überwiegend katholischen Berchtesgadener beäugten den Christbaum misstrauisch als „protestantisches Zeug“.

1912 stellte der Berchtesgadener Kunstmaler Anton Reinbold erstmals einen Christbaum auf,  der mit den traditionellen Produkten der Berchtesgadener Handwerkskunst, der Berchtesgadener War bunt und eindrucksvoll geschmückt war. Dies  war der Beginn einer neuen Art, weihnachtliche Freude auszudrücken. Der sog. Berchtesgadener Christbaum ist inzwischen lebendiges Brauchtum in den Wohnungen und in den Kirchen geworden. Christbäume im Lichterglanz sind heute von öffentlichen Plätzen nicht mehr wegzudenken.

Zum Bild: Ein Berchtesgadener Christbaum 

 

 

Weihnachtsrätsel 2019

Zum Abschluss und Ausblick: Irischer Weihnachtsegen

Gott lasse dich ein gesegnetes Weihnachtsfest erleben.

Gott schenke die die nötige Ruhe, damit du dich auf Weihnachten und die frohe Botschaft einlassen kannst.

Gott nehme dir Sorgen und Angst und schenke dir neue Hoffnung.

Gott bereite dir den Raum, den du brauchst und an dem du so sein kannst, wie du bist.

Gott schenke dir die Fähigkeit zum Staunen über das Wunder der Geburt im Stall von Bethlehem.

Gott mache heil, was du zerbrochen hast und führe dich zur Versöhnung.

Gott gebe dir Entschlossenheit, Phantasie und Mut, damit du auch anderen Weihnachten bereiten kannst.

Gott bleibe bei dir mit dem Licht der Heiligen Nacht, wenn dunkle Tage kommen.

Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden.

Vielen herzlichen Dank fürs Mitmachen

Johannes Schöbinger

Der Adventskranz – kein altes Berchtesgadener Brauchtum

Die Vorweihnachtszeit ist heutzutage ohne den Adventskranz mit seinen vier Kerzen und den violetten, roten oder bunten  Bändern nicht mehr vorstellbar.  Fragt man nach dem Ursprung, dann heißt es „ein schöner, alter Brauch, den gab’ s schon immer“. Und dennoch gehört dieses Brauchtum wohl zu den jüngsten in unserer Berchtesgadener 

Heimat. Keine hundert Jahre und absolut evangelisch-lutherischer Herkunft! Deshalb sei ein Blick auf seine Entstehungsgeschichte erlaubt.

Der Adventskranz wurde 1839 in Hamburg von dem evangelisch-lutherischen Theologen und Erzieher Johann Heinrich Wichern (1808 – 1881) erfunden. Der engagierte Pädagoge nutzte seinen Adventskranz als Vorbereitungssymbol, um die Waisenkinder im sog. „Rauen Haus“ sinnhafter auf Weihnachten einstimmen zu können. Dieser ursprüngliche Adventskranz hatte vier große rote Kerzen für die Sonntage und dazwischen weiße für jeden Werktag. Dieser evangelisch geprägte Adventsbrauch fand schnell nachhaltigen Eingang im norddeutschen  Bürgertum.

Der Weg nach Süddeutschland, wie nach Berchtesgaden, dauerte Jahrzehnte. Erst sehr spät nach seiner Einführung und sehr langsam erreichte der Adventskranz auch in katholischen Gegenden  seine Anerkennung und Verbreitung. In München wurde 1930/31 erstmals ein Adventskranz in der katholischen Silvester-Kirche aufgezogen und von dort aus fand er sukzessive Aufnahme in den bürgerlichen Privathäusern.

Am ersten Adventssonntag des Jahres 1935 hat der damalige Kaplan Otto Schüller, ein gebürtiger Münchner, mit Zustimmung seines Pfarrers und Dekans Linhardt den ersten Adventskranz in der Stiftskirche zu Berchtesgaden aufgezogen. Das war  gerade mal vor nunmehr 85 Jahren.

Dieses „neue“ Adventssymbol empfand die katholische Berchtesgadener Bevölkerung keineswegs neumodisch oder städtisch, sondern es kam sehr gut bei den eher konservativ eingestellten Berchtesgadenern an, wie sich der nachmalige Pfarrer Otto Schüller in seinen späteren Lebensjahren gerne  schmunzelnd erinnerte. So darf es nicht verwundern, dass bereits ab dem Advent 1937  am Samstagvormittag vor dem ersten Adventssonntag die häuslichen Adventskränze in der Stiftskirche gesegnet wurden.

Die Verbreitung des Adventskranzes im Berchtesgadener Talkessel geschah in den darauffolgenden Jahren; die Pfarreien bzw. Pfarrkuratien von Unterstein und Bischofswiesen waren die ersten, die den kirchlichen bzw. häuslichen Adventskranz als neuen vorweihnachtlichen Brauch  noch in der Vorkriegszeit einführten. Gesicherte Daten aus Marktschellenberg und Ramsau sind nicht bekannt. Für eine flächendeckende Ausbreitung des Adventskranzes im gesamten Berchtesgadener Raum sorgte sicherlich die starke  evangelische Immigration nach dem  2. Weltkrieg.

Der Adventskranz symbolisiert einerseits den Erdkreis mit den vier Himmelsrichtungen, aber auch die mit der Auferstehung Christi gegebene Ewigkeit des Lebens. Die vier Kerzen versinnbildlichen die Zunahme des Lichtes durch die Geburt Jesu Christi an Weihnachten. Grün ist die Farbe des Lebens. Übrigens soll man die Kerzen traditionellerweise der Reihe nach entgegen dem Uhrzeigersinn anzünden. Für den dritten Adventssonntag „Gaudete“ ist heute allgemein eine rosa Kerze üblich und der katholische Priester zelebriert die Hl. Messe in einem rosafarbenen  Messgewand.

Heute erinnert nichts mehr an die einst evangelischen Wurzeln des Adventskranzes. Er ist  inzwischen zu einem gut katholischen Brauchtum der Vorweihnachtszeit geworden, und seine Formen wie individuellen Ausschmückungen tragen sinnvoll dazu bei. Eine Stiftskirche ohne Adventskranz wäre unvorstellbar!

 

Am 1. Adventssonntag 2019

Johannes Schöbinger

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Der Adventskranz – kein altes Berchtesgadener Brauchtum Text und Bilder

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Was hat Jesus in den Sand geschrieben?

Gedanken zum Evangelium nach Johannes 8, 1 – 11  am 5. Fastensonntag

In diesem Sonntagsevangelium wird die Begegnung zwischen Jesus und der Ehebrecherin erzählt und in der Tat, gilt bekannter Text als eines der markantesten Zeugnisse der Barmherzigkeit Gottes, von der die ganze Bibel des AT wie des NT kündet. Bereits der Hl. Augustinus hat die Pointe dieser Erzählung ganz im Sinn der biblischen Botschaft in das klassisch gewordene Wortspiel gefasst: „Nur zwei blieben zurück, die Erbarmenswerte und die Barmherzigkeit“ (misera et misericordia).

Nachfolgende Ausführungen zu Joh. 8,1 – 11, es ist keine Predigt, wollen andere  Gedanken und Interpretationen darlegen.


Jesus und die Ehebrecherin, franz. Kupferstich, 1747

1.  Diese eindrucksvolle Erzählung gehört mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht zum ursprünglichen Text des Johannes-Evangeliums, sondern es handelt sich um einen späteren Einschub.  Sie taucht zum ersten Mal außerbiblisch in der sog. „Didaskalia“, einer syrischen Kirchenordnung des 3. Jahrhunderts auf, und sie wandert dann allmählich in die verschiedensten griechischen und lateinischen Bibelhandschriften und wird an dieser Stelle im Johannes-Evangelium eingefügt, Vor allem durch die lateinische Bibelübersetzung des Hieronymus, die Vulgata, ist sie dann auch in der gesamten westlichen Christenheit bekannt geworden; und wohl erst seit dem 4. Jh. gehört sie fest zum Kanon der neutestamentlichen Bibel und hat bis heute in evangelischen wie in katholischen Leseordnungen der Sonntagsevangelien ihren festen Platz. Die dunkle Entstehungsgeschichte hat ihre helle Wirkungsgeschichte in der Kirche nicht verhindern können. Es wäre wirklich ein kostbares Juwel verloren gegangen.

2. Zur Bibel als der Geschichte Gottes mit seinem auserwählten Volk Israel gehören zwei wesentliche differenzierende Merkmale: Der Gott Israels ist unsichtbar, seine Transzendenz verbietet es, sich ein Bild von ihm zu machen oder sich seiner zu bemächtigen. Um jede Verwechslung mit der Welt der Geschöpfe auszuschließen, kommt es im strengen Monotheismus zum Medienwechsel vom Bild zur Schrift. Sie ist das zweite unterscheidende Merkmal. In der Schrift ist der Autor nicht gegenwärtig. Allerdings ist er durch die Buchstaben, die er hinterlässt, zumindest indirekt anwesend. Das Buch Exodus erzählt, dass Gott selbst mit dem Finger die Zehn Gebote auf die Tafeln geschrieben habe. Eine unglaubliche Geschichte!  Der Ewige, der einzige Gott  streift auf dem Berg Sinai für einen Augenblick Zeit und Geschichte. Dann entzieht er sich wieder.

3. Die Schrift wird sakral, und geschieht ausgerechnet  in Israel. Vom alten griechischen Alphabet wissen wir, dass es das mündlich gesprochene Wort exakt einfängt, es kennt auch für die Vokale Buchstaben. Die hebräische Schrift hingegen besteht nur aus Konsonanten, die Vokalisierung bleibt offen. Das schafft gegenüber der Alltagssprache Distanz. Die hebräische behält sich so einen ‚identitätsstiftenden Nimbus‘.  Die Schrift wird zur Heiligen Schrift.

Die Sakralisierung der Schrift hat Folgen. Gerade die Schriftgelehrten laufen Gefahr, sich auf den bloßen Buchstaben des Gesetzes zu fixieren. Es kommt zu Formen einer ‚Schriftverehrung‘, wie der Evangeliumstext deutlich macht. Bei Paulus wird später zu lesen sein „vom Buchstaben, der tötet, und vom Geist, der lebendig macht“.

4. Im Evangelium vom 5. Fastensonntag setzt Jesus der buchstabengetreuen Auslegung der Tora durch die Schriftgelehrten einen Transfer ins Geistige gegenüber, ohne dadurch die Schrift zu annullieren. Dabei kommt es zu einer neuen Unterscheidung, der zwischen innen und außen. Die Schriftgelehrten legen auf das Äußere wert, die Befolgung der Reinheitsvorschriften, des Sabbatgebots, Jesus hingegen komme es auf das Innere an, das Herz.

Pieter Bruegel, Jesus und die Ehebrecherin, 1565

5. Und Jesus schreibt.

In der Geschichte von der Ehebrecherin im Johannesevangelium wird dieser Konflikt deutlich. Die Schriftgelehrten bringen die in flagranti ertappte Frau zu Jesus. Die Lage ist gespannt. Jesus steht in Verdacht, die Schrift zu relativieren, da seine Jünger die Reinheitsvorschriften und Sabbatgebote nicht so beachten, wie es erwartet wird. Jetzt aber scheint der Fall eindeutig zu sein: ‚Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen – was sagst du?‘ Anstatt auf die Frage einzugehen, bückt sich Jesus und schreibt mit dem Finger in den Sand. Das ist die einzige Passage im Neuen Testament, in der Jesus vom Medium der Schrift Gebrauch macht.

Die Geste unterbricht den Mechanismus der Verurteilung. Der schreibende Finger aber erinnert an den Gottesfinger, der auf dem Berg Sinai die beiden Tafeln beschrieben hat. Aber diesmal wird nicht gesagt, was geschrieben wird. Die Leerstelle ist markant. Dann folgt der berühmte Satz: ‚Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.‘ Dadurch lenkt Jesus die Aufmerksamkeit von der Beschuldigten weg auf die Schuld der Beschuldiger. Denen, die meinen, den Gotteswillen genau zu kennen, wird klar, dass auch sie auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen sind.


Jesus und die Ehebrecherin, Zeichnung von J. Raschhuber

6. An Johannes 8, 1 -11 wird auch uns Heutigen zutreffend klar, dass das Christentum – anders als Judentum und Islam – keine Buchreligion ist. Abschließend sein Paulus angefügt: ‚Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in Herzen von Fleisch.‘

Am 5. Fastensonntag 2019 geschrieben

Die rätselvollen Töne vom Turm

Kunstwerke und Kanonenfutter: Die verschlungene Geschichte der Glocken der Franziskanerkirche Berchtesgaden – Wer die Glocken der Franziskanerkirche hört, freut sich möglicherweise über deren Wohlklang – oder auch nicht. Wem der »Ton gehört«, weiß der Hörer allerdings nicht so genau. Die Angelusglocke ist die größte Glocke, die zu den Gottesdiensten in die Franziskanerkirche ruft. Sie wiegt immerhin 1 100 Kilogramm und machte im Zweiten Weltkrieg eine Reise zu den Schmelzöfen, kam aber unversehrt zurück. (Fotos: Wechslinger) Die Franziskanerkirche ist eine Besonderheit unter den Kirchen des Berchtesgadener Landes. Zum einen die Gebäudeteile betreffend, zum anderen auch die Glockenfrage. Eigentümer von Franziskanerkloster und Franziskanerkirche ist der Freistaat Bayern. An die Klosterkirche wurde auf der Nordseite schon im ausgehenden 17. Jahrhundert ein Läutturm für den zweiten Friedhof der Pfarrei St. Andreas aus Kälbersteinmarmor angebaut. Baumeister war mit Lorenzo Sciasca aus Graubünden ein bedeutender Baumeister seiner Zeit. Der sogenannte Frauenturm gehörte und gehört noch immer mitsamt der Turmuhr und den beiden Glocken der Kirchenstiftung St. Andreas. Drei Glocken bis 1917 Im Turm hingen bis zum Jahre 1917 drei Glocken, in einem aufgesetzten Dachreitertürmchen befand sich eine vierte Glocke, die sogenannte Konventglocke. Durch Bekanntmachung der drei stellvertretenden Generalkommandos vom 1. März 1917 wurden alle Glocken, soweit sie aus Bronze waren und sofern sie keinen besonderen wissenschaftlichen, geschichtlichen oder kunstgewerblichen Wert besaßen, für Heereszwecke beschlagnahmt. Gemäß Gutachten des Generalkonservatoriums der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns vom 22. März 1917 wurden deshalb die Konventglocke sowie die größte und die kleinste Glocke des Kirchengeläuts von der Beschlagnahme, Enteignung und Ablieferung befreit. Die zweite Glocke allerdings, die wie die Größere 1686 von Johann Nuspicker in Salzburg gegossen, 1890 aber schon von Franz Oberascher in Reichenhall umgegossen worden war, musste an die Militärverwaltung abgegeben werden. Diese, auf den Ton »a« gestimmte Glocke hatte eine Höhe von 90 cm und einen Durchmesser von 95 cm. Auf ihr waren zwei Bilder angebracht: St. Franziskus und die Hl. Dreifaltigkeit mit der Inschrift »Sanctissima Trinitati 1686 Denuo 1890«. Am Schlagrand die Umschrift »Gegossen von Franz Oberascher in Reichenhall aus freiwilligen Gaben der Pfarrangehörigen Berchtesgadens«. Bei der Glockenabgabe zerschlug man die Glocke damals gleich im Turm. Im Laufe des letzten Kriegsjahres 1918 wurde in ganz Deutschland eine zweite Glockenabnahme angeordnet. »Unsere tapferen, siegreichen Krieger bedurften dringend neuer Waffen, um einen ehrenvollen Frieden herbeizuführen, und unsere heldenmütig kämpfende Armee musste mit allen Mitteln ausgestattet werden, welche das Ende des Weltkampfes rascher herbeiführen konnten.« Bei der Nachprüfung der Geläute durch den mit der Durchführung und Festlegung der Gruppenzugehörigkeit betrauten Ausschuss im Bezirk Berchtesgaden-Reichenhall am 10. September 1918 wurden noch weitere Bronzeglocken zur Ablieferung an die Militärverwaltung ausgeschieden. Bei den im Jahr zuvor in der Franziskanerkirche belassenen Glocken wurde der besondere wissenschaftliche, geschichtliche und kunstgewerbliche Wert glücklicherweise auch im Jahre 1918 geachtet und die drei Glocken durften hängen bleiben. Die Größte von den im Jahre 1917 nicht enteigneten Glocken war die Angelusglocke im Frauenturm. Sie hat ein Gewicht von 1100 kg und einen Durchmesser von 118 cm und ist auf den Ton „f“ gestimmt. Auf ihr ist das Bild von Maria als Königin, gegenüber ein Schild mit der Inschrift »Joannes Nuspikher hat mich gegossen 1686«. Lange wurde diese Glocke als Friedhofsglocke bei Beerdigungen verwendet. Das änderte sich erst mit dem Bau der neuen Aussegnungshalle mit einer eigenen Glocke. Ganz oben in der Turmlaterne hängt das Feuer-, Notoder Hungerglöcklein, es ist auf den Ton »dis« gestimmt, hat ein Gewicht von »nur« 80 kg und einen Durchmesser von 38 cm. Aufgrund der stark verwitterten Inschrift lässt sich das Alter dieses Glöckleins leider nicht mehr bestimmen. Auf »e« gestimmt Im Dachreiter auf dem Westgiebel der Kirche hängt das Konventglöcklein mit der Inschrift »AMDCCXVI Franciscus Gartner in Salzpurgh goß mich«. Auf der Glocke sind die Abbildungen von St. Michael, Antonius, Immaculata und Franciscus zu sehen. Der Durchmesser, der auf den Ton »e« gestimmten Glocke beträgt 59 cm. In seiner »Geschichte des Franziskaner-Klosters Berchtesgaden« drückt es Pater Franz Adelhardt so aus: »Am 6. März 1716 wurde die erste Hand angelegt zum Baue des Chortürmchens, der am 27. April mit der Aufsetzung eines Marienbildes beendet wurde. Die 179 Pfund schwere Chorglocke stiftete der geistliche Vater, der Leithauswirt Stephan Maltan; sie kostete mit den Schlosserarbeiten 119 Gulden 24 Kreuzer und war vom Salzburger Glockengießer Franz Gartner gegossen. Am Pfingstabend (1716) erklang sie zum ersten Male zur Vesper.« Die größten Feinde der Kirchenglocken sind, so kann man aus der Geschichte ablesen, die Kriege, stellvertretend natürlich für die, die sie führen. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden in den frühen 1940er-Jahren deutschlandweit die Kirchenglocken eingesammelt. Als »Kanonen-Rohstoff«. So wurden am 17. und 18. März 1942 auch von den Türmen der Franziskanerkirche die Glocken abgenommen. Anders als im Ersten Weltkrieg zählte jetzt die kulturgeschichtliche Bedeutung nur noch bedingt. Die beiden größeren Glocken mussten ihren angestammten Platz in der Franziskanerkirche verlassen. Nur das sogenannte Hungerglöcklein durfte in der Laterne des Frauenturms verbleiben. Weil der Turm jedoch der Kirchenstiftung St. Andreas gehört, musste sich nach der Glockenabnahme der Stiftskirchenmesner Georg Walch um das noch verbliebene Glöckchen bemühen. In dem oben genannten Büchlein schreibt der Hauschronist über Walchs Tun anerkennend: »Er verlegte in geschickter und mühsamer Arbeit auf dieses einzige Glöcklein den Ganzstundenschlag, auch den Viertelstundenschlag und richtete eine der Glockenschalen ein, die bisher im Klostergang zum Schlagwerk der Hausuhr gehört hatten.« Schon bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen alle Glocken des Berchtesgadener Landes – bis auf eine Glocke der Stiftskirche, die wahrscheinlich beim Transport zerbrach – wieder auf ihre alten Kirchtürme zurück. Glocken sind also, insbesondere die der Franziskanerkirche, nicht nur die Rufer zum Gottesdienst, sondern auch Geschichtenund Geschichtserzähler. Man muss nur aufmerksam zuhören können. Dieter Meister

„Eine Gebetsübung für alle Stände“

Das Rosenkranzgebet : „Eine Gebetsübung für alle Stände“

Im Marienmonat Mai wird die Gottesmutter in feierlichen Andachten verehrt

Für die Teilnahme an der Sendung „Wer wird Millionär?“ sollte man es wissen, wer den Rosenkranz, den populärsten katholischen Gebetszyklus erfunden hat. Es war der Karthäusermönch Dominikus von Trier. Als Novizenmeister in Mainz hängte er um 1434/35 an den Namen „Jesus“ in jedem „Gegrüßet seist Du, Maria“ einen Halbsatz an, der an die Stationen des Lebens und des Leidens Jesu erinnerte. Zum einfacheren Zählen der Gebete nutzte er eine Schnur, den „Rosenkranz“, eine Gebetskette, wie sie auch in anderen Religionen bekannt ist und verwendet wird.
Ohne dieses Gebet lässt sich die traditionelle Marienverehrung, wie sie insbesondere im Monat Mai in den Maiandachten gepflegt wird, gar nicht vorstellen. Vielleicht war es die Blütenpracht des Frühjahrs, als deren „schönste Himmelsblüte“ man die Gottesmutter sah und folglich den Monat Mai zum Marienmonat machte.
Vor allem in den der Heiligen Jungfrau geweihten Kirchen und Kapellen traf man sich zur Marienverehrung, zu deren Kern eben das feierliche „Ave Maria“ gehörte. Dem Gebet des Rosenkranzes hatten sich auch bei uns in der damaligen Fürstpropstei Berchtesgaden vor allem die Mitglieder der 1646 gegründeten Rosenkranz-Bruderschaft verschrieben. Dazu versammelten sich deren Mitglieder in der Stiftskirche vor dem linken Seitenaltar.

Das hochwertige Altarbild des holländischen Barockmalers Joachim von Sandrart zeigt die „Rosenkranzspende“. Maria übergibt den Rosenkranz an den Hl. Dominikus und die Hl. Katharina von Siena. Das Thema “Rosenkranzspende” ist eine sehr beliebte Bildaussage der Barockzeit. Auch wenn die Rosenkranzspende an den Hl. Dominikus eine reine Erfindung von Alanus von Rupe ist, so macht das Bildthema dennoch Freude. Es ist eine schöne Vorstellung, dass Maria uns selbst den Rosenkranz in die Hand legt (aufmachen muss man sie halt selbst). Betrachten wir kurz das Gemälde: Wer hat schon so ein munteres Jesuskind gesehen? Und nicht zu übersehen die beiden schönen Begleitengel. „Als Schutz und Schirm gegen die Anfechtung des Teufels“ verstand sich die Rosenkranz-Bruderschaft. Ihre Mitglieder verpflichteten sich, jede Woche einen „freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz“ zu verrichten.
In der Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg gibt es im Gewölbezwickel ein Fresko mit der Inschrift „Auxilium Christianorum – Maria, die Hilfe der Christenheit“ und dabei ist die berühmte Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 dargestellt.
Damals besiegte die christliche Flotte unter Don Juan d‘ Austria die türkische Seemacht völlig. Doch, was hat dies mit unserem Thema vom Rosenkranz zu tun? Schon vor der Schlacht hatte Papst Pius V. alle Christen zum Rosenkranzgebet aufgerufen. Aber auch der Jesuitenorden war mit den Ereignissen von Lepanto in besonderer Weise verbunden, hatten sie doch Tausende von Rosenkränzen an die Kämpfenden verteilt und damit deren Siegeswillen gestärkt. Nach dem fulminanten Sieg verkündete Pius V. in Rom, dass die Christen nur durch die Beihilfe der Gottesmutter gesiegt hätten: Maria de Victoria.

Zwar gab es auch bei uns schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Monat Mai Andachten zu Ehren Marias, aber es war wohl der Impuls des Mainzer „Arbeiterbischofs“ Wilhelm von Ketteler, der die Maiandacht „als Gebetsübung für alle Stände“ breitenwirksam einführte, damit die frommen Bürger Gott ein „wohlgefelliges Werk“ erbringen konnten. Doch, manche Menschen beteten aus religiösem Eifer im Mai den ganzen Tag über zu Ehren der Muttergottes, was die Kirchenoberen veranlasste in den bayerischen Pfarreien kundzutun: „daß nit ein jedweder nach eigener Willkür, sondern das Mayengebet des abends nach verrichteter Feldarbeith halten soll“. – Dazu ein abschließender Kommentar aus einem wunderbaren Marienlied „O Maria hilf!“

Wenn bei der Fronleichnamsprozession die Dirndl des Trachtenvereins d‘ Kehlstoana die sog. Bauernmadonna mittragen, dann hat diese Muttergottes einen wunderbaren Filigranrosenkranz mit dabei. Ist das nicht auch ein lebendiges Beispiel der örtlichen Marienverehrung?

Johannes Schöbinger

Gründonnerstagssuppe

Neunerlei Kräuter gehören in die »Gründonnerstagssuppe«. Wir wählten für die Probesuppe Bärlauch, Brennnessel, Löwenzahn, Kresse, Gänseblümchen, Gundelrebe, Labkraut, Rotklee und Schafgarbe aus.

In vielen Familien wurden spezielle Rezepte einer »Gründonnerstagssuppe« von Generation zu Generation weiter gegeben. Wie die Marktschellenberger Kräuterpädagogin Monika Angerer erläutert, gehören aufgrund der Bedeutung der heiligen Zahl neun, neunerlei Kräuter hinein, zum Beispiel Spitzwegerich, Gundelrebe, Günsel, Löwenzahn, Frauenmantel, Schafgarbe, Rotklee, Labkraut, Gänseblümchen, Bärlauch oder auch Haselnuss- oder Birkenblätter. »Es kommt auf die Zeit drauf an, was schon da ist. Je später Ostern fällt, umso größer ist die Auswahl.« Mit dieser Suppe könne man Ende der Fastenzeit noch einmal entgiften, bevor an Ostern das Schlemmen losgeht. Die traditionelle Suppe war auch Gesprächsthema bei der Kräuterwanderung in Marktschellenberg (wir berichteten). »Ich mache meistens eine Brennnesselsuppe«, erzählt die Marktschellenbergerin Annemarie Lackner. Ihr Lieblingsrezept ist die »Russische Brennnesselsuppe«. Sie dünstet dafür Zwiebeln an, löscht sie mit guter Rinds suppe (oder auch Gemüsebrühe) ab, lässt die Brennnesseln, gern zur Hälfte mit Bärlauch gemischt, einige Minuten kochen, mixt das Ganze und gibt Würstelscheiben, ein gekochtes Ei und saure Sahne hinein. Pfarrer Thomas Frauenlob verrät im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«: »Bei uns hat es am Gründonnerstag immer Spinat, Kartoffeln und Spiegelei gegeben. Das war bei den Kindern nicht der Renner.« Seine Kindheit verbrachte er auf einem Bauernhof am Kleinhögl in der Gemeinde Piding.

Quelle Berchtesgadener Anzeiger; Donnerstag, den 29. März 2018

Ein Festtag für alle Sinne

Pfarrer Thomas Frauenlob über den Gründonnerstag und dessen Bräuche – Die Wortherkunft, heilige Öle und bittere Kräuter. Berchtesgadener Land – Mit dem Gründonnerstag beginnen die Kartage im engeren Sinne. Am Vorabend des Karfreitags, ohne den es keine Auferstehung und kein Ostern gäbe, gedenkt die Kirche des letzten Abendmahls Jesu. Doch wie ist der Name »Gründonnerstag« eigentlich entstanden, und welche Bräuche und Rituale sind mit diesem Tag verbunden? Berchtesgadens Pfarrer Thomas Frauenlob hat eine Erklärung parat. Zur Entstehung des Namens bereits vor dem 15. Jahrhundert gibt es diverse Theorien. Er wird zum Teil aus dem seit dem 14. Jahrhundert bezeugten, womöglich schon älteren Brauch hergeleitet, am Gründonnerstag grünes Gemüse, junge Triebe und grüne Kräuter zu essen. Dies passt nicht nur zu den Fastenvorschriften der Karwoche, sondern auch zu vorchristlichen Vorstellungen, dass man so die Kraft des Frühlings und eine Heilwirkung für das ganze Jahr aufnahm. Einer anderen Erklärung zufolge, der sich auch Berchtesgadens Pfarrer, Monsignore Dr. Thomas Frauenlob, anschließt, entstand das Essen des Grünzeugs durch ein Missverständnis: »Gründonnerstag kommt von Greinen, ein altes Wort für Weinen.« Aus dem mittelhochdeutschen »grien donnerstag« ist wohl in der volkstümlichen Interpretation „der Spinatdonnerstag geworden«, so Frauenlob. Das Weinen bezog sich einerseits auf die Büßer, die vorher Exkommunizierten, die seit dem 4. Jahrhundert an diesem Tag nach Buße und Vergebung wieder zur Kommunion zugelassen wurden, andererseits auf Jesu banges Nachtgebet voller Todesangst im Garten Getsemani nach dem Mahl. Eine freudige und eine traurige Seite »Interessant finde ich auch die Parallele zu den Bitterkräutern im Pessachmahl, mit denen die Juden der Bitternis der Sklaverei in Ägypten gedachten«, ergänzt Frauenlob. Der Gründonnerstag habe liturgisch deutlich zwei Teile: eine freudige mit der Pessachfeier, die Jesus den Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas zufolge als Jude mit seinen Jüngern beging und mit der Einsetzung der Eucharistie neu deutete, und eine traurige. Nach dem Gloria schweigen alle Glocken und die Orgel bis zum Gloria der Osternacht. Am Ende des Gottesdienstes werden die restlichen Hostien, das »Allerheiligste«, an einen anderen Ort übertragen, und der Altartisch wird kahl geräumt. Die Kommunion wird an diesem Tag nicht nur in Gestalt des Leibes, sondern auch des Blutes Christi, in Brot und Wein ausgeteilt. Und vielerorts wäscht der Pfarrer als Symbol für den vom Evangelisten Johannes überlieferten Dienst Jesu an seinen Jüngern und für die Nächstenliebe Pfarrangehörigen die Füße. Nach der Messe sind stille Anbetungen oder »Ölbergandachten« üblich. »Chrisam« kommt von »Christus« Ein weiteres, schönes liturgisches Ritual hat Frauenlob vor zwei Jahren neu eingeführt. Sein damaliger Kaplan Gerhard Wiesheu hatte es aus seiner Heimat Moosburg mitgebracht. Bei der Gabenbereitung werden am Gründonnerstag von Kommunion- und Firmkindern oder älteren Leuten die bei der »Chrisammesse« gesegneten heiligen Öle gebracht, und vom Diakon und Lektor wird dazu eine Deutung und Fürbitte formuliert. Die »Chrisammesse« wird in der Erzdiözese München und Freising immer am Mittwochnachmittag im Münchner Liebfrauendom von Kardinal Reinhard Marx zelebriert, also quasi am Vorabend des Gründonnerstags. Traditionell wurden die Öle in der ersten Messe am Gründonnerstag gesegnet, wenn auf Einladung des Erzbischofs alle Priester zusammen kamen, um ihre Gelübde zu erneuern. Die gesegneten Öle gab der Bischof dann seinen Priestern als Beauftragte mit in ihre Pfarreien. »Chrisam« leitet sich von »Christus« ab, dem griechischen Wort für »Der Gesalbte«, was dem hebräischen Wort „Messias“ entspricht. Es gibt dreierlei Öle. Das aromatische »Chrisamöl«, das aus Olivenöl, Rosenöl und Gewürzen besteht, wird bei Taufe, Firmung, Priester und Bischofsweihe und Altarweihe verwendet. Duft nach Rose, Zimt oder Zitrone Das wärmende Kranken öl, das nach Zimt duftet, dient für die Krankensalbung und letzte Ölung. Und das »Katechumenen Öl«, eingesetzt bei der Aufnahme in die Gruppe der Taufbewerber, riecht laut Frauenlob »zitronig-erfrischend« und weckt den Geist auf. In drei Gefäßen werden die Öle im Kaspar Stangassinger-Schrein am Augustinus-Altar rechts in der Stiftskirche aufbewahrt. Den Schrein und die Gefäße hat das Künstlerpaar Lutzenberger aus Bad Wörishofen 2015 geschaffen. »Wenn Schulklassen kommen, lasse ich sie immer riechen, weil ich diese Gelegenheit als Kind nicht gehabt habe«, so Pfarrer Frauenlob. Bei jeder Taufe würden die Öle direkt aus dem Schrein des Glaubens-Vorbilds für den Täufling genommen. »Am Gründonnerstag sind meistens auch die Eier gefärbt worden. Das war immer ein schöner Geruch nach Essig«, erinnert sich der Berchtesgadener Pfarrer an frühere Zeiten. Also wirklich ein Tag für alle Sinne, dieser »Gründonnerstag«, Veronika Mergenthal Quelle Berchtesgadener Anzeiger, Donnerstag, den 29. März 201

Wenn die Glocken nach Rom fliegen

Vom Brauchtum rund um Ostern An die Fangfrage im Religionsunterricht erinnere ich mich sehr gut: „Was ist das größte Fest der Christenheit?“ Spontan antwortete die Klasse im Chor: „Weihnachten!“ – „Falsch!“ verkündete der Religionslehrer: „Falsch! Falsch! Ostern!“ Nicht ohne vorwurfsvoll hinzuzufügen: „Ihr denkt doch nur an die Geschenke!“ Betroffenes Schweigen und Kopfschütteln auf unserer Seite. Recht hatte unser Religionslehrer. Ostern ist das höchste und zugleich älteste Fest der Christenheit. In diesem Zusammenhang sind im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Bräuche entstanden. Nachfolgend wird eine Auswahl der wohl bekanntesten vorgestellt und kurz erläutert. Der Name Gründonnerstag leitet sich vom mittelhochdeutschen „greinen“ oder „grienen“, vom klagenden Weinen her. An diesem Tag wurden die Sünder, die während der Fastenzeit Buße geleistet hatten, die „Greinenden“, wieder in die gottesdienstliche Gemeinschaft aufgenommen. Deshalb kennt man bei uns auch die Bezeichnung „Antlasstag“ (= Entlasstag). Fußwaschung: Als Zeichen der dienenden Liebe Jesu waschen in vielen Kirchen die Priester in Erinnerung an die Apostel zwölf Männern oder Frauen die Füße. Dieser Brauch stammt eigentlich aus dem Klosterleben und wurde im 12. Jahrhundert in die Liturgie eingeführt. Im Blick auf die Feier des Leidens Christi verstummen nach überkommenem Brauch am Gründonnerstag mittags die Kirchenglocken. Seit der Liturgiereform schweigen jedoch Glocken und Orgel erst nach der Abendmahlfeier. Der Volksmund sagt: „Die Glocken fliegen nach Rom“. Als Ausdruck der Trauer rattern und knattern nur noch hölzerne Ratschen und Klappern, mit denen bei uns die Ministranten an den Kartagen durch den Markt lziehen oder vom Kirchturm aus die Gläubigen zum Gebet rufen. Als weiteres Zeichen der Trauer werden die Altäre entblößt. Der Karfreitag, wegen des Todes Jesu auch Klagefreitag genannt, ist geprägt vom Kirchenbesuch. Dazu zählt natürlich um 15:00 Uhr die Karfreitagsliturgie mit der Verehrung des Kreuzes Christi. Da unsere Kirchen über sehr schön ausgestattete und z. T. alte Heilige Gräber verfügen, ist der Brauch „unser’m Herrn Grabkugei’n schaugn“ überaus lebendig. Der Kalvarienberg am Fürstenstein wird neben dem Heiligen Grab fleißig besucht. Für dieses sog. „Kalvarienberg-Abbeten“ gibt es seit gut 150 Jahren ein eigenes Andachtsbüchlein. Während früher das Osterfeuer bereits am Karsamstag morgen auf die alte Art aus dem Feuerstein geschlagen wurde, beginnt heutzutage die Osternachtfeier vor der Kirche mit der Entzündung und der Segnung des Osterfeuers. Das Element Feuer kommt nur einmal in der Liturgie vor, nämlich in dieser Feier. Das Feuer gilt hier als Symbol für die Sonne, die Wärme und Licht gibt und damit Leben ermöglicht. Der Brauch, dass Kinder in einer Laterne das Osterfeuer nach Hause brachten und damit das Herdfeuer entzündeten, ist abhanden gekommen. Die Osterkerze wird am Osterfeuer entzündet. Die Kerze ist meist mit Kreuz, Alpha und Omega – dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets, der Jahreszahl 2018 und fünf farbigen Wachsnägeln als Symbole für die Wunden Christi am Kreuz geschmückt. Die Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen und Christus dreimal als „Licht der Welt“ angerufen: Lumen Christi. An der Osterkerze entzünden in der Osternacht die Gläubigen ihre eigene Kerzen. Osterwasser/Weihwasser: Wasser gilt seit jeher als Symbol für Reinigung, Erfrischung, Lebensfreude; ohne Wasser kein Leben. Mittels einer Lesung aus dem Alten Testament wird auch an den befreienden Durchzug durch das Schilfmeer erinnert. In der Osternacht wurden früher die Taufbewerber, die Katechumenen, getauft. Auch deshalb wird in der Liturgie das Taufversprechen erneuert. Ostereier: Das Ei beschäftigt schon früh in der Kulturgeschichte die Phantasie der Menschen. Es gilt als Ursprungsort des Menschen oder gar des Universums; ihm wurde eine beschützende Kraft zugeschrieben. .Auch als Symbol hat das Ei eine wichtige Rolle gespielt. Man staunte über die vollendete Form. Und dass aus einem scheinbar toten Körper etwas Lebendiges hervorkommt, machte das Ei zum Symbol der Fruchtbarkeit und des neuen Lebens. „Gleich einem Ei springt das Grab auf“ meinte der Kirchenvater Augustinus und sah im Ei ein Symbol für das vorhandene, aber noch nicht sichtbare neue Leben gleich dem auferstandenen Christus. Seit dem Mittelalter war das Ei eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. So mussten z. B. die Gerer Bauern jährlich dem Mesner eine bestimmte Anzahl von Eiern als Läutgeld abliefern. Warum die Eier gefärbt wurden, lässt sich nicht eindeutig erklären. Man nimmt an, dass man sie als gekochte Eier von den Zinseiern unterscheiden oder für die österliche Segnung in der Kirche schmücken wollte. Bei uns gibt es seit dem 13. Jahrhundert die „Roteier“, wobei die rote Farbe auf die Liebe, die Freude, aber auch auf das blutige Sterben Christi hinweisen soll. Osterspeisen: Hier handelt es sich um die Speisen, die in der Osternacht gesegnet werden. Speziell die Segnung von Ostereiern ist schon im 12. Jahrhundert nachweisbar; „vom Fasten zum Fest“. Einer uralten Tradition gemäß werden dazu die am Gründonnerstag gelegten Eier – sofern man noch Hühner hat – , die Antlasseier, verwendet. Der Brauch der österlichen Speisensegnung gehört zur Feier der Osternacht. Im Speisenkorb finden sich neben den erwähnten Eiern, Salz, Butter, der Osterfladen , Speck oder Schinken und Kren. Dass die Eier vor der Speisenweihe an beiden Enden aufgeschlagen werden sollen, damit die Weihe besser hinein kam, entspricht wohl eher einer magischen Glaubensvorstellung. Oapecken (Eierpecken) ist ein alter Osterbrauch mit gekochten, farbigen Eiern. Zuerst „Spitz auf Spitz“; da wird mit der Spitze des Eis solange gegen das Ei des Konkurrenten gestoßen, bis eines der beiden zu Bruch geht. Dann werden die stumpfen Enden gegen einander gepeckt. Der Sieger erhält das „eingehauene“ Ei. Osterspaziergang – Emmausgang: Er erinnert an den Marsch der Jünger von Jerusalem in das kleine Dorf Emmaus, bei dem ihnen der Auferstandene erschien. Während der pfarrliche Emmausgang heute verschwunden ist, wird der Osterspaziergang in den Familien gepflegt. Der Ostermontag ist ein „Menschertag“. Der ‚Bursch‘ holt sich von seinem Dirndl die roten Ostereier als Ostergeschenk ab. Am Nachmittag geht man „Emaus“; was man scherzhaft als „ebenaus-gehen“ auslegte und abends traf man sich zum Osterkranzl. Schon bei Johann Wolfgang von Goethe können wir im Osterspaziergang lesen: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick.“ Und dazu bietet sich der Emmaus-Rundweg von der Kirchleitenkapelle über Soleleitungsweg und Kalvarienberg zur Franziskanerkirche und durch die Fußgängerzone bis zur Stiftskirche an.

Obdach für die Seele

Kapelle der Kreisklinik Berchtesgaden erhält Schutzmantelmadonna Ein schützendes Dach über dem Kopf zu haben und vier Wände sein eigen zu nennen, ist ein hohes Gut. Im besten Fall finden wir da Schutz und Heimat, Intimität und Geborgenheit. Wie viel mehr gilt diese Feststellung für den kranken Menschen, der nicht nur einer optimalen ärztlichen Versorgung und Betreuung bedarf, sondern auch ein Bedürfnis nach klinischer Seelsorge hat, um heilende Kräfte im Kranken zu wecken. Am 27.06.2014 wurde die völlig umgestaltete Kapelle der Kreisklinik Berchtesgaden durch Weihbischof Wolfgang Bischof eingeweiht. Seither stand wieder ein Raum der Stille und des Gebetes für die Kranken und deren Angehörige zur Verfügung: Als Obdach für die Seele beim wöchentlichen Gottesdienst, zum meditativen Innehalten und für die individuelle Begegnung mit Gott, zum Ruhe suchen und zum Ruhe finden. Obwohl nach übereinstimmender Meinung ein wunderbarer Ort zum „Still sein vor dem Herrn“ hatten die Berchtesgadener das unbestimmte, aber starke Gefühl, dass etwas fehle. Der Verein der Freunde der Kreisklinik Berchtesgaden nahm sich diesem Anliegen an und konnte das Erfordernis nach einer marianischen Darstellung feststellen, die zur Kliniksituation passt und einen Bezug zur kunst- und kulturhistorischen Prägung der Region aufweist. In vielen Gesprächen mit dem Pfarrverband Berchtesgaden, dem Krankenhausträger, den Kliniken Südostbayern, sogar Herr Landrat Georg Grabner wurde eingebunden, sowie dem Kunstreferat der Erzdiözese München-Freising wurde eine allgemein akzeptable Lösung gefunden: Die Schutzmantelmadonna des verstorbenen Berchtesgadener Künstlers Hans Richter sollte passend in die Wand neben der Eingangstür eingefügt werden und die Kapelle marianisch bereichern. Da es sich bei diesem Andachtsbild um eine „Maria gravida“, also um eine Maria in der Hoffnung handelt, wird hiermit auch an die ehemalige Geburtsabteilung auf dem gleichen Stockwerk erinnert. Der Grafinger Bildhauer Robert M. Weber hat nun diesen Auftrag umgesetzt und Marienbild hat einen neuen prägenden wie einladenden Platz in der Kapelle erhalten. Am kommenden Freitag, dem 23. März 2018, um 16:00 Uhr wird das Andachtsbild im Rahmen einer Hl. Messe von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Krankenhausseelsorger Pater Benno gesegnet. Die musikalische Umrahmung liegt bei Familie Holzner. Die örtliche Bevölkerung ist herzlich zur Segnungsfeier eingeladen. Foto: Die Schutzmantelmadonna (zugleich Maria gravida) an ihrem neuen Ort. 16.03.2018 Johannes Schöbinger Vorstandsmitglied

Bedeutung der Fastenzeit

Wieder kommt das Osterfest auf uns zu! Zur Vorbereitung darauf schenkt uns die göttliche Vorsehung jedes Jahr die Fastenzeit als „eine Zeit der Umkehr und der Buße“, welche die Möglichkeit der Rückkehr zum Herrn aus ganzem Herzen und mit dem gesamten Leben verkündet und bewirkt. Wir Christen fasten nicht, um noch religiöser zu werden oder Gott einen Gefallen zu tun. Sie verzichten auf etwas, um bewusst ihren Alltag zu unterbrechen und sich auf Gott auszurichten. Dadurch nimmt man Gottes Gegenwart oft stärker wahr. Durch Fasten schärft man seine Sinne und seinen Geist. Statt fernzusehen, nimmt man sich zum Beispiel Zeit, in der Bibel zu lesen und zu beten. Die Fastenzeit wurde nicht von der Kirche des ersten Jahrhunderts befolgt! Sie wurde zuerst von der Kirche in Rom während des Konzils von Nicea 325 A.D. attestiert, als Kaiser Constantine die Kirche offiziell als Staatsreligion des römischen Reiches anerkannte. Alle anderen Formen des Christentums, die Lehren im Gegensatz zur römischen Kirche hielten, galten als Feind des Staates. Im Jahr des Herrn 360 befahl das Konzil von Laodizea offiziell die Fastenzeit zu befolgen. Durch das Fasten vor Ostern machen sich Christen das Evangelium ganz neu bewusst: dass Jesus, der Sohn Gottes, als Mensch auf die Welt kam. Dass er uns nicht nur gezeigt hat, wer Gott ist, sondern bereit war, alles auf sich zu nehmen, was uns von Gott trennt: unser Versagen, unsere Scham, unsere Schuld. Christen erinnern sich daran, dass Jesus für ihre Schuld ans Kreuz ging und als Lösegeld für sie gestorben ist. Dass es genau 40 Tage und Nächte sind, bezieht sich darauf, dass auch Jesus so lange gefastet hat. Übrigens haben auch die großen Gottesmänner Mose und Elia jeweils vierzig Tage und Nächte gefastet. Jeder darf aber selbst festlegen, ob, wie lange und auf welche Art er fasten möchte. Durch das Fasten nimmt man sich bewusst Zeit, Gottes Gegenwart zu suchen. In der Bibel haben Menschen auch gefastet, um Busse zu tun. Das bedeutet, umzukehren von falschen Wegen und sich ganz neu auf Gott ausrichten. Durch Fasten kann man außerdem ausdrücken, dass man es mit einem bestimmten Gebetsanliegen ernst meint. Manche fasten auch einfach nur, um Gott zu ehren und ihm zu zeigen, wie viel er ihnen bedeutet. Drei Dinge sind es, die dem Glauben Festigkeit geben, durch welche die Frömmigkeit Bestand hat und die Tugend bleibt: Gebet, Fasten und Werke der Barmherzigkeit. Was das Gebet erbittet, das wird dem Fasten gewährt, und die Barmherzigkeit nimmt es in Empfang. Gebet, Barmherzigkeit und Fasten, die drei Dinge sind eins, und sie verleihen sich gegenseitig Leben. Die Seele des Gebetes ist das Fasten, das Leben des Fastens ist die Barmherzigkeit. Niemand reiße die drei auseinander, sie vertragen keine Trennung. Wer nur eines von ihnen besitzt und nicht alle zugleich, der hat nichts. Wer also betet, der faste auch; wer fastet, übe auch Barmherzigkeit; wer selbst gehört werden will, der höre auf den Bittenden; wer sein Ohr dem Bittenden nicht verschließt, der findet Gehör bei Gott. Wer an Jesus glaubt, ist erlöst und muss nichts mehr dazu tun. Man braucht also nicht versuchen, Gott durch Fasten zu beeindrucken. Fasten soll auch keine Art geistlicher Hungerstreik sein, um Gott zu etwas zu zwingen. Wer so fastet, glaubt vielleicht, er weiß es ein bisschen besser als Gott, wie es laufen soll. Und das bringt nichts. Letztendlich fasten muss freiwillig sein und sollte ein Ziel haben. Wer aus Gruppenzwang fastet oder gar nicht weiß, was er damit erreichen möchte, fastet vergebens.