Das Rosenkranzgebet : „Eine Gebetsübung für alle Stände“

Im Marienmonat Mai wird die Gottesmutter in feierlichen Andachten verehrt

Für die Teilnahme an der Sendung „Wer wird Millionär?“ sollte man es wissen, wer den Rosenkranz, den populärsten katholischen Gebetszyklus erfunden hat. Es war der Karthäusermönch Dominikus von Trier. Als Novizenmeister in Mainz hängte er um 1434/35 an den Namen „Jesus“ in jedem „Gegrüßet seist Du, Maria“ einen Halbsatz an, der an die Stationen des Lebens und des Leidens Jesu erinnerte. Zum einfacheren Zählen der Gebete nutzte er eine Schnur, den „Rosenkranz“, eine Gebetskette, wie sie auch in anderen Religionen bekannt ist und verwendet wird.
Ohne dieses Gebet lässt sich die traditionelle Marienverehrung, wie sie insbesondere im Monat Mai in den Maiandachten gepflegt wird, gar nicht vorstellen. Vielleicht war es die Blütenpracht des Frühjahrs, als deren „schönste Himmelsblüte“ man die Gottesmutter sah und folglich den Monat Mai zum Marienmonat machte.
Vor allem in den der Heiligen Jungfrau geweihten Kirchen und Kapellen traf man sich zur Marienverehrung, zu deren Kern eben das feierliche „Ave Maria“ gehörte. Dem Gebet des Rosenkranzes hatten sich auch bei uns in der damaligen Fürstpropstei Berchtesgaden vor allem die Mitglieder der 1646 gegründeten Rosenkranz-Bruderschaft verschrieben. Dazu versammelten sich deren Mitglieder in der Stiftskirche vor dem linken Seitenaltar.

Das hochwertige Altarbild des holländischen Barockmalers Joachim von Sandrart zeigt die „Rosenkranzspende“. Maria übergibt den Rosenkranz an den Hl. Dominikus und die Hl. Katharina von Siena. Das Thema “Rosenkranzspende” ist eine sehr beliebte Bildaussage der Barockzeit. Auch wenn die Rosenkranzspende an den Hl. Dominikus eine reine Erfindung von Alanus von Rupe ist, so macht das Bildthema dennoch Freude. Es ist eine schöne Vorstellung, dass Maria uns selbst den Rosenkranz in die Hand legt (aufmachen muss man sie halt selbst). Betrachten wir kurz das Gemälde: Wer hat schon so ein munteres Jesuskind gesehen? Und nicht zu übersehen die beiden schönen Begleitengel. „Als Schutz und Schirm gegen die Anfechtung des Teufels“ verstand sich die Rosenkranz-Bruderschaft. Ihre Mitglieder verpflichteten sich, jede Woche einen „freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranz“ zu verrichten.
In der Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Ettenberg gibt es im Gewölbezwickel ein Fresko mit der Inschrift „Auxilium Christianorum – Maria, die Hilfe der Christenheit“ und dabei ist die berühmte Seeschlacht von Lepanto vom 7. Oktober 1571 dargestellt.
Damals besiegte die christliche Flotte unter Don Juan d’ Austria die türkische Seemacht völlig. Doch, was hat dies mit unserem Thema vom Rosenkranz zu tun? Schon vor der Schlacht hatte Papst Pius V. alle Christen zum Rosenkranzgebet aufgerufen. Aber auch der Jesuitenorden war mit den Ereignissen von Lepanto in besonderer Weise verbunden, hatten sie doch Tausende von Rosenkränzen an die Kämpfenden verteilt und damit deren Siegeswillen gestärkt. Nach dem fulminanten Sieg verkündete Pius V. in Rom, dass die Christen nur durch die Beihilfe der Gottesmutter gesiegt hätten: Maria de Victoria.

Zwar gab es auch bei uns schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts im Monat Mai Andachten zu Ehren Marias, aber es war wohl der Impuls des Mainzer „Arbeiterbischofs“ Wilhelm von Ketteler, der die Maiandacht „als Gebetsübung für alle Stände“ breitenwirksam einführte, damit die frommen Bürger Gott ein „wohlgefelliges Werk“ erbringen konnten. Doch, manche Menschen beteten aus religiösem Eifer im Mai den ganzen Tag über zu Ehren der Muttergottes, was die Kirchenoberen veranlasste in den bayerischen Pfarreien kundzutun: „daß nit ein jedweder nach eigener Willkür, sondern das Mayengebet des abends nach verrichteter Feldarbeith halten soll“. – Dazu ein abschließender Kommentar aus einem wunderbaren Marienlied „O Maria hilf!“

Wenn bei der Fronleichnamsprozession die Dirndl des Trachtenvereins d’ Kehlstoana die sog. Bauernmadonna mittragen, dann hat diese Muttergottes einen wunderbaren Filigranrosenkranz mit dabei. Ist das nicht auch ein lebendiges Beispiel der örtlichen Marienverehrung?

Johannes Schöbinger

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